Die Bundesnetzagentur hat heute die Ergebnisse der Ausschreibung für PV-Freiflächenanlagen zum Gebotstermin 1. März 2026 veröffentlicht. Die Runde im sogenannten Solar Ersten Segment war erneut deutlich überzeichnet: Bei einer Ausschreibungsmenge von 2.295 MW gingen Gebote über 4.622 MW ein — das entspricht einem Zeichnungsverhältnis von rund 2:1. Für IAB-Investoren mit Fokus auf Großspeicher ist das mehr als eine Photovoltaik-Notiz: Jede überzeichnete PV-Runde produziert mittelbar eine wachsende Pipeline an Co-Location-Standorten für Batteriespeicher.
Die Zahlen im Überblick
| Kennzahl | Wert |
|---|---|
| Ausgeschriebene Menge | 2.295 MW (2.294.768 kW) |
| Eingereichte Gebote (Anzahl) | 532 Stück |
| Eingereichtes Gebotsvolumen | 4.622 MW (4.622.487 kW) |
| Zeichnungsverhältnis | ca. 201 % (Überzeichnung 2:1) |
| Erteilte Zuschläge | 268 mit zusammen 2.299 MW |
| Niedrigster Zuschlagswert | 3,99 ct/kWh |
| Höchster Zuschlagswert | 5,10 ct/kWh |
| Volumengewichteter Durchschnitt | 4,94 ct/kWh |
| Gesetzlicher Höchstwert | 5,79 ct/kWh |
| Top-Region (Volumen) | Bayern: 693 MW / 106 Zuschläge |
| Nächster Gebotstermin | 1. Juli 2026 |
Der durchschnittliche Zuschlagswert von 4,94 ct/kWh liegt rund 15 Prozent unter dem gesetzlichen Höchstwert. Das ist ein Signal: Projektentwickler kalkulieren mit weiter sinkenden Modul- und Bauteilkosten und bieten aggressiv. Gleichzeitig zeigt der niedrige Spread zwischen niedrigstem (3,99 ct/kWh) und höchstem (5,10 ct/kWh) Zuschlag, dass der Markt sich auf einem engen Preiskorridor eingependelt hat.
Wer hat zugeschlagen — und wo
Die regionale Verteilung der 268 Zuschläge verschiebt sich klar nach Süden:
| Bundesland | Volumen | Anzahl Zuschläge |
|---|---|---|
| Bayern | 693 MW | 106 |
| Niedersachsen | 340 MW | 33 |
| Baden-Württemberg | 333 MW | 45 |
| Übrige Bundesländer | 933 MW | 84 |
Bayern und Baden-Württemberg zusammen vereinen rund 45 Prozent des Zuschlagsvolumens. Genau dort, wo das Übertragungsnetz heute schon unter Süd-Engpässen leidet und wo Akteure wie EnBW und Münch Energie bereits Großspeicher-Cluster im 100-MWh-Bereich aufbauen. Jeder neue PV-Park in dieser Region erhöht den Bedarf an lokaler Speicherung — sonst läuft der Strom in Einspeisemanagement-Abregelung statt in Erlöse.
Überzeichnung im Trend
Die letzten vier Runden zeigen ein stabiles Muster: März 2025 = 146 Prozent, Juli 2025 = 124 Prozent, Dezember 2025 = 225 Prozent, März 2026 = 201 Prozent Überzeichnung. Die Projekt-Pipeline ist konstant deutlich größer als die Ausschreibungsmenge. Das Jahresvolumen 2026 liegt bei insgesamt 9.900 MW auf drei Gebotstermine.
Warum diese Auktion BESS-Investoren interessiert
Für IAB-Speicher-Investoren entstehen aus diesen Zahlen drei direkte Hebel:
1. Pipeline-Effekt aus den 268 Zuschlägen. Die zuschlagsgesicherten 2,3 GW PV-Freiflächen werden in den nächsten 18 bis 30 Monaten gebaut. Jeder Standort kommt mit einem bestehenden Netzanschlusspunkt und gesicherter Fläche — die teuersten Posten eines BESS-Projekts. Co-Location-Speicher (gemeinsamer Anschlusspunkt mit der PV-Anlage) werden an genau diesen Standorten technisch und wirtschaftlich attraktiv, weil die EEG-Vergütung den PV-Cashflow stabilisiert und der Speicher seine Erlöse separat aus Arbitrage, FCR und aFRR zieht.
2. Pipeline-Effekt aus den 264 abgelehnten Geboten. Das ist die unterschätzte Hälfte der Story: Bei 532 Gebotseinreichungen und nur 268 Zuschlägen sind 264 Projekte mit zusammen rund 2,3 GW in dieser Runde leer ausgegangen. Ein erheblicher Teil dieser Projekte hat bereits Netzanschlusszusage und Flächensicherung. Die typische Marktreaktion: Umwandlung in Merchant-PV mit PPA plus Co-Location-Speicher zur Erlösoptimierung — der EEG-Anker fällt weg, der Speicher wird zum zentralen Werthebel. Das vergrößert den adressierbaren BESS-Markt unmittelbar, ohne dass eine neue Förderung beschlossen werden müsste.
3. Floor-Preis-Argument für die Finanzierung. Der volumengewichtete Zuschlag von 4,94 ct/kWh ist ein belastbarer 20-jähriger Cashflow-Floor (EEG-Vergütung bis 2046). Für kombinierte PV+Speicher-Cases ist das ein hartes Argument bei Banken — die PV-Seite liefert eine planbare Basis, der Speicher das volatile, aber chancenreiche Upside. Wie wichtig dieses Argument bei der Speicher-Finanzierung geworden ist, zeigt unsere Analyse zum BBDF-Bankenforum für Großspeicher.
Co-Location ist nicht automatisch zuschlagsfähig
Der PV-Zuschlag bezieht sich ausschließlich auf die Photovoltaikanlage. Ein nachträglich kombinierter Speicher muss separat genehmigt und in der Anschlussberechnung berücksichtigt werden. Speicher-Hinzubau ohne Verlust der EEG-Vergütung ist gesetzlich möglich, erfordert aber ein sauberes Mess- und Bilanzkreis-Setup. Auch die Innovationsausschreibung (PV+Speicher-Kombi) ist ein separates BNetzA-Verfahren und nicht Teil der hier kommentierten März-Runde.
Steuerliche Einordnung
Co-Location-Konstellationen werfen typische steuerliche Fragen auf: Wann liegt eine einheitliche Investition vor, wann zwei getrennte Wirtschaftsgüter? Wie verhalten sich IAB-Bildung und degressive AfA zueinander, wenn PV und Speicher zeitlich versetzt aktiviert werden? Eine systematische Übersicht zu IAB, Sonder-AfA und Buchwert-Logik bei Batteriespeicher-Investments finden Sie in unserem Hub Steuern und IAB.
Was Investoren jetzt prüfen sollten
- Pipeline-Scouting: Welche der 268 zuschlagsgesicherten Standorte sind Co-Location-geeignet? Im MaStR (Marktstammdatenregister) lassen sich die Standorte nach Veröffentlichung der detaillierten Zuschlagsliste durch die BNetzA abgleichen.
- Süddeutschland-Fokus: Bayern und Baden-Württemberg dominieren das Zuschlagsvolumen. Cluster-Strategien wie Münch Energie mit 500 MWh in Bayern oder EnBW Süddeutschland treffen exakt diesen geografischen Engpass.
- Anbieterauswahl: Welche Anbieter haben tatsächlich Co-Location-Kompetenz und nicht nur Stand-alone-BESS im Portfolio? Unser Anbieter-Vergleich systematisiert Auswahlkriterien für IAB-Speicher-Investments.
Ausblick: Nächste Runde am 1. Juli 2026
Das Jahresvolumen 2026 im Solar Ersten Segment beträgt 9.900 MW, verteilt auf drei gleich große Gebotstermine. Bei anhaltender Überzeichnung dürfte auch die Juli-Runde mit einem Zeichnungsverhältnis um 2:1 schließen — und damit erneut mehrere hundert nicht bezuschlagte Projekte in die Merchant-PV-mit-Speicher-Pipeline schieben.
Für IAB-Investoren bleibt die Botschaft einfach: Der Markt produziert kontinuierlich neue Co-Location-Standorte mit fertiger Flächensicherung und Netzanschlusszusage. Wer eine Speicher-Beteiligung sucht, sollte heute klar zwischen reinen Stand-alone-Modellen und Co-Location-Konzepten unterscheiden — und seine Anbieter danach auswählen, ob sie das technisch und kommerziell sauber abbilden können. Wie Sie diese Auswahl strukturiert angehen, zeigen unser Anbieter-Vergleich und der Risiko-Guide.
