Die Preise für Primärregelleistung (FCR — Frequency Containment Reserve) sind im Januar 2026 auf den höchsten Stand seit 18 Monaten gestiegen. Der durchschnittliche Leistungspreis lag in den vier Ausschreibungsrunden des Monats bei 14,80 EUR/MW/h — ein Anstieg von 38% gegenüber dem Durchschnitt des zweiten Halbjahres 2025 (10,70 EUR/MW/h). Für Betreiber von Batteriespeichern, die am Regelenergiemarkt teilnehmen, bedeutet das deutlich höhere Erlöse — wie unser Marktüberblick im Detail zeigt.
FCR: Kurz erklärt
Primärregelleistung (FCR) ist die schnellste Form der Regelenergie. Sie stabilisiert die Netzfrequenz bei 50 Hz und muss innerhalb von 30 Sekunden vollständig aktiviert werden können. Batteriespeicher sind für diese Aufgabe ideal geeignet: Sie reagieren in Millisekunden, können sowohl Strom aufnehmen (negative Regelleistung) als auch abgeben (positive Regelleistung) und haben keine Anlaufzeiten.
Die FCR wird in wöchentlichen Auktionen über die Plattform regelleistung.net beschafft. Anbieter erhalten einen Leistungspreis (EUR/MW/h) für die Bereitstellung — unabhängig davon, ob die Leistung tatsächlich abgerufen wird. Für Speicherbetreiber ist das ein stabiler, gut planbarer Einnahmekanal.
FCR vs. Arbitrage
FCR-Erlöse und Arbitrage-Erlöse sind zwei verschiedene Einnahmequellen für Batteriespeicher. FCR vergütet die Bereitschaft, Regelleistung zu liefern — der Erlös ist relativ stabil. Arbitrage vergütet das aktive Kaufen und Verkaufen von Strom an der Börse — der Erlös ist volatiler. Die meisten Speicher optimieren ihren Erlösmix zwischen beiden Quellen.
FCR-Ausschreibungsergebnisse Januar 2026
Die FCR-Ausschreibungsergebnisse im Januar 2026 zeigen einen klaren Aufwärtstrend:
- KW 1 (30.12.–05.01.): 12,40 EUR/MW/h
- KW 2 (06.01.–12.01.): 14,20 EUR/MW/h
- KW 3 (13.01.–19.01.): 16,10 EUR/MW/h
- KW 4 (20.01.–26.01.): 16,50 EUR/MW/h
- Monatsdurchschnitt: 14,80 EUR/MW/h
Zum Vergleich: Im Juli 2024 lag der Durchschnitt bei 15,20 EUR/MW/h — dem bisherigen Jahreshoch. Im Tiefpunkt (Oktober 2025) waren es nur 8,30 EUR/MW/h. Die aktuelle Erholung ist damit eine deutliche Trendwende.
Die ausgeschriebene Menge lag bei 1.450 MW (symmetrisch) — unverändert gegenüber dem Vorquartal. Der Preisanstieg ist also nicht durch eine höhere Nachfrage getrieben, sondern durch ein verknapptes Angebot.
Warum die Preise steigen
Drei Faktoren erklären den Preisanstieg:
1. Kalter Winter treibt Stromnachfrage: Der überdurchschnittlich kalte Januar erhöht die Stromnachfrage und damit die Netzbelastung. Mehr Last bedeutet mehr Frequenzschwankungen — und damit einen höheren Bedarf an schneller Regelleistung.
2. Konventionelle Kraftwerke vom Netz: Mit der fortschreitenden Abschaltung von Kohle- und Gaskraftwerken sinkt die konventionelle Regelleistungskapazität. Insbesondere der Wegfall des Kraftwerks Neurath D (600 MW, Dezember 2025) hat eine Lücke hinterlassen, die bisher nicht vollständig durch neue Speicher gefüllt wurde.
3. Speicherbetreiber optimieren Erlösmix: Bei hohen Arbitrage-Spreizungen — wie im aktuellen Winter — verlagern einige Speicherbetreiber Kapazität von FCR hin zu Arbitrage. Das reduziert das FCR-Angebot und treibt den Preis. Paradoxerweise profitieren die verbliebenen FCR-Anbieter genau davon.
Erlösberechnung: 1-MW-Speicher mit FCR
Ein Speicher mit 1 MW FCR-Präqualifikation erzielt bei 14,80 EUR/MW/h einen Tageserlös von 355,20 EUR (14,80 × 24h). Im Monat sind das rund 10.600 EUR — allein aus FCR. Hinzu kommen Erlöse aus Arbitrage und ggf. aFRR (Sekundärregelleistung) in den Zeiten, in denen der Speicher nicht für FCR gebunden ist.
Batteriespeicher dominieren den FCR-Markt
Ein bemerkenswerter Trend: Batteriespeicher stellen mittlerweile 68% der gesamten FCR-Kapazität in Deutschland. Vor zwei Jahren waren es noch 42%. Die Technologie hat sich im Regelenergiemarkt als dominanter Anbieter etabliert — effizienter, schneller und günstiger als konventionelle Alternativen.
Die Bundesnetzagentur sieht diese Entwicklung positiv. In einem Bericht vom Dezember 2025 heißt es: "Batteriespeicher tragen maßgeblich zur Versorgungssicherheit bei. Ihre Fähigkeit, innerhalb von Millisekunden zu reagieren, macht sie zum idealen Instrument für die Frequenzhaltung."
Gleichzeitig warnt die Behörde vor einer zu starken Abhängigkeit von einer Technologie: Sollten Speicherbetreiber in großem Umfang aus dem FCR-Markt abwandern (etwa weil Arbitrage kurzfristig lukrativer ist), könnte die Versorgungssicherheit gefährdet sein. Die Bundesnetzagentur prüft daher, ob langfristige FCR-Verträge mit Mindestlaufzeiten eingeführt werden sollten.
Risiken: Warum FCR-Erlöse nicht garantiert sind
So erfreulich der aktuelle Preisanstieg ist — wie unsere Risiko-Analyse zeigt, sollten Investoren FCR-Erlöse nicht als dauerhaft hohe Einnahmequelle einplanen:
- Neue Speicher drücken Preise: Jedes neue Speicherprojekt erhöht das FCR-Angebot. Wenn die geplanten Großspeicher (EnBW 500 MW, RWE 300 MW u.a.) in Betrieb gehen, wird der Preisdruck steigen.
- Regulatorische Änderungen: Die EU-Regelung zur Frequenzhaltung wird derzeit überarbeitet. Änderungen bei Ausschreibungsfrequenz oder Produktdesign können die Erlöse beeinflussen.
- Präqualifikation ist Voraussetzung: Nicht jeder Speicher kann am FCR-Markt teilnehmen. Die Präqualifikation durch den Übertragungsnetzbetreiber erfordert technische Nachweise und regelmäßige Tests.
FCR nicht als alleinige Erlösquelle kalkulieren
Seriöse Speicherbetreiber kalkulieren mit einem Erlösmix aus FCR, Arbitrage und ggf. aFRR/mFRR. Wer ein Investment auf der Annahme aufbaut, dass FCR-Preise dauerhaft bei 14–15 EUR/MW/h bleiben, riskiert eine Enttäuschung. Konservative Kalkulationen setzen 8–10 EUR/MW/h als langfristigen FCR-Durchschnitt an.
Bedeutung für Speicher-Investoren
Die aktuellen FCR-Preise sind ein positives Signal für den Speichermarkt. Sie zeigen, dass Batteriespeicher nicht nur in der Theorie Geld verdienen, sondern auch in der Praxis — und das über einen gut regulierten, transparenten Markt.
Drei Punkte für Investoren:
- FCR ist ein wichtiger Erlösbaustein. Die aktuellen Preise bestätigen: Regelenergie ist für Speicherbetreiber ein relevanter Einnahmekanal. Bei der Bewertung eines Investments sollte der Erlösmix immer FCR-Erlöse enthalten.
- Fragen Sie nach der FCR-Präqualifikation. Nicht jeder Anbieter hat diese. Prüfen Sie, ob der Speicher tatsächlich am FCR-Markt teilnehmen kann — und ob die Kosten für die Präqualifikation im Angebot enthalten sind.
- Langfristig konservativ rechnen. Die aktuellen Spitzenpreise sind zyklisch. Wer mit dem Langfristdurchschnitt kalkuliert, wird nicht enttäuscht.
Der FCR-Markt zeigt: Die Energiewende schafft reale Verdienstmöglichkeiten für Batteriespeicher. Wer diese Chancen nutzen will, braucht einen seriösen Anbieter mit Marktzugang, technischer Kompetenz und transparenter Kalkulation.
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