Die Bundesnetzagentur hat mit der MiSpeL-Festlegung (Marktintegration von Speichern und Ladepunkten) eine der wichtigsten regulatorischen Weichenstellungen fuer Batteriespeicher auf den Weg gebracht. Ab Mitte 2026 duerfen Co-Location-Speicher erstmals Strom aus dem Netz laden, ohne die EEG-Foerderung fuer ihren Gruenstrom-Anteil zu verlieren. Was technisch trivial klingt, war bisher rechtlich unmoeglich — und hielt Speicher kuenstlich klein.
Das Kernproblem bisher
Ein typisches Szenario: Ein Solarpark hat einen 20-MW-Netzanschluss und einen 10-MW-Batteriespeicher. Bisher durfte der Speicher ausschliesslich Strom aus dem eigenen Solarpark laden, wenn die EEG-Marktpraemie erhalten bleiben sollte. Sobald auch nur eine Kilowattstunde Netzstrom in den Speicher floss, drohte der Verlust der gesamten Foerderung.
Das Ergebnis: Der Speicher stand in vielen Stunden leer, obwohl er fuer Arbitrage haette genutzt werden koennen. Die Branche nannte das die "Gruenstrom-Falle".
Was MiSpeL aendert
Die Festlegung fuehrt neben der bestehenden Exklusiv-Option (nur Gruenstrom) zwei neue Betriebsmodelle ein:
Abgrenzungsoption
Der Speicher kann gleichzeitig Solar- und Netzstrom laden. Die Trennung erfolgt ueber ein 15-Minuten-Messkonzept: In jedem Viertelstunden-Intervall wird mathematisch praezise berechnet, welcher Anteil der eingespeisten Energie auf Gruenstrom und welcher auf Netzstrom entfaellt. Die EEG-Foerderung gilt nur fuer den Gruenstrom-Anteil.
Pauschaloption
Eine vereinfachte Variante: Ein fester prozentualer Anteil der Einspeisung wird pauschal als Gruenstrom angerechnet. Weniger praezise, aber deutlich einfacher in der Administration.
Praxisbeispiel: 20-MW-Solarpark + 10-MW-Speicher
Bisher: Speicher laedt nur aus PV, steht abends und nachts leer. Mit MiSpeL (Abgrenzungsoption): Speicher laedt tagsueber aus PV (EEG-Foerderung bleibt erhalten), nachts aus dem Netz (Arbitrage, keine Foerderung). Ergebnis: 1,5-2 Zyklen pro Tag statt 0,8-1,0. Die Mehrerloese koennen 30-50% betragen.
Warum das fuer Investoren relevant ist
MiSpeL macht Co-Location-Projekte — also Speicher, die an bestehende Solar- oder Windparks gekoppelt sind — deutlich wirtschaftlicher:
- Hoehere Auslastung: Mehr Zyklen pro Tag = mehr Erloese
- Diversifizierung: Erloese aus EEG-Foerderung + Arbitrage + Regelenergie statt nur einem Strang
- Besserer Netzanschluss: Der gemeinsame Netzanschluss mit einer EE-Anlage ist oft einfacher und schneller verfuegbar als ein eigener Anschluss fuer Standalone-Speicher
Gleichzeitig steigt die technische Komplexitaet: Die 15-Minuten-Messung erfordert Smart-Meter-Infrastruktur und entsprechende Abrechnungssysteme. Anbieter muessen nachweisen, dass sie diese Anforderungen erfuellen koennen.
Nicht alle Anbieter profitieren gleich
MiSpeL ist vor allem fuer Projektierer relevant, die eigene EE-Anlagen mit Speichern kombinieren. Reine Standalone-Speicher ohne Co-Location profitieren weniger. Wenn Ihr Anbieter mit MiSpeL-Vorteilen wirbt, fragen Sie konkret: Handelt es sich um ein Co-Location-Projekt? Wie wird die Messung umgesetzt?
Zeitplan
Die MiSpeL-Festlegung wurde im September 2025 als Entwurf veroeffentlicht. Die Konsultation laeuft, die finale Festlegung wird fuer Mitte 2026 erwartet. Erste Projekte koennten ab dem dritten Quartal 2026 unter den neuen Regeln operieren.
Fuer den deutschen Speichermarkt ist MiSpeL ein Befreiungsschlag: Die kuenstliche Trennung zwischen gefoerdertem Gruenstrom und marktgetriebener Flexibilitaet wird aufgehoben. Das macht Speicher wirtschaftlicher — und beschleunigt ihren Zubau. Mehr zur Erloesstruktur von Batteriespeichern in unserem Grundwissen-Hub.
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