Die Bundesnetzagentur hat am 16. Januar 2026 Orientierungspunkte zur künftigen Netzentgeltsystematik für Stromspeicher veröffentlicht — und die Botschaft ist unmissverstaendlich: Die vollständige Befreiung von Netzentgelten, die Batteriespeicher derzeit geniessen, soll enden. Für Investoren ist das eine Nachricht mit erheblicher Tragweite, die unsere Risiko-Analyse als regulatorisches Schluesselrisiko einordnet.
Was bisher gilt
Nach dem Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) sind Stromspeicher, die nach 2011 in Betrieb gegangen sind, für 20 Jahre vollständig von Netzentgelten befreit. Das betrifft sowohl den Netzbezug beim Laden als auch die Einspeisung beim Entladen. Diese Befreiung war ein wesentlicher Anreiz für den Aufbau von Speicherkapazitaet in Deutschland.
Was die BNetzA plant
Im Rahmen des Festlegungsverfahrens AgNes (Allgemeine Netzentgeltsystematik) stellt die Behörde das gesamte System auf den Pruefstand. Für Speicher kommt sie zu einem klaren Ergebnis: Die vollständige Befreiung kann nicht fortgefuehrt werden, da sie weder die tatsaechlichen Netzkosten abbildet noch Anreize für netzdienstliches Verhalten setzt.
Die wichtigsten Eckpunkte:
- Keine vollständige Befreiung mehr: Speicher sollen künftig einen angemessenen Beitrag zu den Netzkosten leisten
- Dynamische Komponente: Die BNetzA bevorzugt ein Modell mit dynamischen Netzentgelten und einer Preisuntergrenze ("Floor")
- Zeitplan: Mitte 2026 erster Verordnungsentwurf, Ende 2026 finaler Entwurf, Inkrafttreten fruehestens Anfang 2029
Auch bestehende Anlagen betroffen?
Die BNetzA argumentiert, dass der Vertrauensschutz für die Netzentgeltbefreiung spätestens seit dem EuGH-Urteil von 2021 nicht mehr besteht. Damit koennten auch Speicher, die heute bereits in Betrieb sind, ab 2029 Netzentgelte zahlen müssen. Die Behörde prueft explizit eine "unechte Rückwirkung" — ein juristisch zulässiges, aber politisch brisantes Instrument.
Finanzielle Auswirkungen
Wie hoch die künftigen Netzentgelte für Speicher ausfallen, ist noch offen. Eine grobe Einordnung auf Basis der heutigen Entgeltniveaus:
- Konservatives Szenario: 50% der regulaeren Netzentgelte → ca. 30.000-55.000 EUR/Jahr für einen 1-MW/2-MWh-Speicher
- Volles Entgelt: 100% der regulaeren Netzentgelte → ca. 65.000-108.000 EUR/Jahr (regional unterschiedlich)
- Dynamisches Modell: Variable Kosten je nach Netzauslastung — potenziell guenstiger für netzdienstliche Speicher
Was bedeutet 'netzdienstlich'?
Ein netzdienstlicher Speicher laedt bevorzugt dann, wenn das Netz schwach ausgelastet ist, und entlaedt bei hoher Netzlast. Dieses Verhalten entlastet die Netze — und soll künftig durch niedrigere Netzentgelte belohnt werden. Speicher, die rein preisgetrieben handeln, würden stärker belastet.
Reaktion der Branche
Die Kritik faellt heftig aus. Der BVES (Bundesverband Energiespeicher Systeme) warnt vor einem "Fadenriss" beim Grossspeicher-Ausbau, wenn Investoren keine Planungssicherheit haben. Der Speicherentwickler Eco Stor beziffert das Risiko auf eine Speicherluecke von über 10 Gigawatt, falls Investitionsentscheidungen aufgrund der Unsicherheit verzögert werden.
Das Kernproblem: Banken vergeben keine Projektfinanzierungen, wenn die Kostenstruktur für die nächsten 15-20 Jahre unklar ist. Und genau das ist derzeit der Fall.
Was Investoren jetzt tun sollten
- Renditeberechnung aktualisieren: Kalkulieren Sie mit mindestens zwei Szenarien — eines mit und eines ohne Netzentgelte ab 2029
- Anbieter befragen: Fordern Sie eine transparente Darstellung, wie steigende Netzentgelte die Rendite beeinflussen
- Vertragsklauseln prüfen: Achten Sie auf Regelungen zu regulatorischen Änderungen in Ihrem Betreibervertrag
Die Netzentgeltbefreiung war ein wichtiger Pfeiler der Speicher-Wirtschaftlichkeit. Ihr Ende ist absehbar — die Frage ist nur noch, in welcher Form und ab wann. Nutzen Sie unseren Anbietervergleich, um Angebote systematisch auf regulatorische Risiken zu prüfen.
