Der Uebertragungsnetzbetreiber 50Hertz hat im November 2025 die bisher umfangreichsten Netzanschluss-Zusagen seiner Geschichte gemeldet: 75 Projekte mit knapp 30 GW Gesamtleistung sollen bis Ende 2029 ans Netz gehen. Auf Grossbatteriespeicher entfallen davon 25 Anlagen mit 11,3 GW — fast eine Vervierfachung des heutigen Bundes-Bestands an Grossspeichern. Fuer Investoren mit Standorten in Ostdeutschland ist das ein strukturelles Signal mit zwei Seiten: Bestaetigung der Standortqualitaet auf der einen, harte Warteliste mit 150 Projekten und 63 GW auf der anderen.
Die Zahlen im Detail
50Hertz deckt die Regelzone Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen, Thueringen und Teile Hamburgs ab. Die Anschlusszusagen verteilen sich wie folgt:
| Technologie | Projekte | Anschlussleistung |
|---|---|---|
| Gesamt | rund 75 | knapp 30 GW |
| PV-Freiflaeche | 32 | 13 GW |
| Grossbatteriespeicher | 25 | 11,3 GW |
| Onshore-Wind | 10 | 2,2 GW |
| Elektrolyseure | 7 | 1,3 GW |
| Rechenzentren | 5 | 2 GW |
Die Zahlen sind kumulativer Auftragsbestand mit Zieldatum Ende 2029. Pro Projekt nennt 50Hertz einen Realisierungs-Horizont von drei bis sechs Jahren nach Projektstart.
63 GW auf der Warteliste
Parallel zu den Zusagen liegen 50Hertz weitere Antraege vor, die vor 2030 keinen Projektstart sehen: rund 150 Batteriespeicher-Antraege mit 63 GW (Stand 30.09.2025). Im Maerz 2026 nannte CEO Stefan Kapferer aktualisierte Zahlen: 140 Speicher-Antraege mit ca. 53 GW — die Pipeline reisst nicht ab.
Anschlusszusage ist keine Realisierungs-Garantie
Die Bundesnetzagentur stellt klar: Anschlusszusagen verpflichten nur den Netzbetreiber, nicht den Projektentwickler. Finanzierungs- und Genehmigungs-Risiken bleiben beim Investor. Bundesweit lagen den vier Uebertragungsnetzbetreibern Ende 2024 rund 650 Grossbatteriespeicher-Antraege mit 226 GW vor — Branchenexperten schaetzen, dass nur 10 bis 15 Prozent realisiert werden.
Foerderstedt: der erste physische Beweis
Am 4. November 2025 wurde in Foerderstedt (Sachsen-Anhalt) der Spatenstich fuer den groessten im Bau befindlichen Batteriespeicher Deutschlands gefeiert: 300 MW / 716 MWh brutto DC, betrieben von der ECO STOR GmbH. Das System versorgt rechnerisch 500.000 Haushalte fuer zwei Stunden.
Beim Spatenstich anwesend: Sachsen-Anhalts Energieminister Armin Willingmann, BVES-Bundesgeschaeftsfuehrer Urban Windelen und Bernd Schneider von 50Hertz. Ein zweiter genannter Standort ist Wustermark in Brandenburg — dort entsteht auf Basis einer 50Hertz-Anschlusszusage ein 300-MW-Rechenzentrum des britischen Betreibers Virtus.
Regionale Verteilung: Ostdeutschland im Fokus
50Hertz veroeffentlicht keine Aufschluesselung nach Bundeslaendern. Strukturell konzentriert sich die Speicherallokation auf die Flaechenlaender mit hoher EE-Erzeugungsdichte:
| Region | Strukturelle Rolle | Speicher-Eignung |
|---|---|---|
| Mecklenburg-Vorpommern | Wind onshore + offshore-Anlandung | sehr hoch — EE-Ueberschuss |
| Brandenburg | PV + Wind, Naehe Berlin als Lastzentrum | sehr hoch — Wustermark als Referenz |
| Sachsen-Anhalt | Wind + PV, starke Anschlusspunkte | sehr hoch — Foerderstedt als Referenz |
| Sachsen | Industrielast, gemischte Erzeugung | hoch — Industrie-Anker als Vorteil |
| Thueringen | Mittelgebirge, geringere EE-Dichte | mittel — selektive Standorte |
| Berlin / Hamburg | Lastzentren, kaum Flaechen | niedrig — primaer Verbrauch |
50Hertz beziffert eine Last-Ueberdeckung von 150 bis 200 Prozent in mehreren Teilregionen — typischerweise MV, Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Dort entstehen die wirtschaftlich attraktivsten Speicher-Standorte, weil EE-Ueberschuss und Spread-faehige Arbitrage zusammentreffen.
Kapferer fordert regionale Steuerung
50Hertz-CEO Stefan Kapferer hat im Maerz 2026 eine regionale Differenzierung gefordert: Regionen mit hoher Last-Ueberdeckung sollten Vorrang bei EE-Projekten erhalten. O-Ton gegenueber der Zeitung fuer kommunale Wirtschaft (zfk.de, 10.03.2026): „Es ist nicht Aufgabe des Netzbetreibers, jedem Grundstueckseigentuemer einen Businesscase zu sichern." Fuer Standorte ohne Industriekunden-Anker koennte das die Genehmigungs-Hierarchie verschlechtern — Standort-Pruefung wird ab 2026 entscheidender.
Was sich 2026 fundamental aendert
Am 5. Februar 2026 haben die vier Uebertragungsnetzbetreiber neue Vergaberegeln dokumentiert: das Reifegradverfahren loest das bisherige Windhundprinzip ab. Anschluesse werden zukuenftig nach verifizierbaren Kriterien priorisiert — Genehmigungsstand, Finanzierung, Realisierungswahrscheinlichkeit. Wer aktuell keine Zusage hat, muss sich umstellen. Den regulatorischen Hintergrund haben wir in unserer Analyse zum Netzpaket aufgearbeitet.
Wettbewerbsvorteil fuer reife Projekte
Wer 2026 mit fertigem Genehmigungsstand, gesicherter Finanzierung und konkretem Projektplan in die naechste Vergaberunde geht, hat einen klaren strukturellen Vorteil. Spekulative Reservierungen verlieren ihren Wert — die Pipeline wird nach echter Realisierungsfaehigkeit sortiert.
Was das fuer Investoren bedeutet
Die 11,3 GW Speicherzusagen sind ein institutionelles Vertrauensvotum fuer die ostdeutsche Netztopologie. Die Mehrheit der zugesagten Kapazitaet liegt in den ostdeutschen Flaechenlaendern, weil dort EE-Ueberschuss und Anschlusspunkt-Qualitaet zusammenfallen. Foerderstedt ist der Beweis, dass ein Standort in Sachsen-Anhalt einen der groessten Speicher Deutschlands tragen kann.
Vier konkrete Konsequenzen fuer 2026:
- Anschlusszusage-Status verifizieren: Bevor Sie in ein Speicher-Projekt investieren, klaeren Sie ob der Betreiber zu den 25 Projekten mit gesicherter 50Hertz-Zusage gehoert — oder zu den 150 auf der Warteliste
- Realisierungs-Datum lesen: Eine Zusage „bis 2029" ist nicht das gleiche wie ein konkretes COD-Datum Q2 2027. Im Anschlussvertrag stehen die verbindlichen Termine
- Standort-Pruefung schaerfen: Foerderstedt-Niveau (starker Anschlusspunkt, EE-Ueberschuss-Region) ist der neue Benchmark fuer institutionelle Investoren
- Pipeline nach 2029 beobachten: Erst mit dem Reifegradverfahren werden neue Anschlusszusagen vergeben — Anbieter mit fortgeschrittenem Genehmigungsstand sind klar bevorzugt
Die strukturelle Botschaft ist eindeutig: Ostdeutschland wird in den naechsten Jahren der dominante Standort fuer institutionelle Grossspeicher-Investments. Wer eine Anschlusszusage in der 50Hertz-Regelzone hat, haelt einen Asset mit nicht-reproduzierbarem Wert. Unsere Marktanalyse ordnet die Rahmenbedingungen fuer Speicher-Investments ein; der Anbietervergleich hilft bei der systematischen Bewertung konkreter Angebote.
