Die vier deutschen Uebertragungsnetzbetreiber (UeNB) 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW haben am 13. März 2026 den zweiten Entwurf des Netzentwicklungsplans Strom 2037/2045 (Version 2025) an die Bundesnetzagentur übergeben; am 16. März 2026 wurde er auf netzentwicklungsplan.de öffentlich konsultierbar. Erstmals erkennen die Netzbetreiber Grossbatteriespeicher als regulär modellierten Teil der Netz- und Marktarchitektur an — mit einem Bedarf zwischen 41 und 94 Gigawatt bis 2037. Für die Investment-Logik unserer Markt-Analyse ist das ein struktureller Wendepunkt.
Was die UeNB konkret modellieren
Im von der Bundesnetzagentur im April 2025 genehmigten Szenariorahmen rechnen die UeNB mit drei Szenarien (A, B, C) für die Zieljahre 2037 und 2045. Die Bandbreite ergibt sich aus unterschiedlichen Annahmen zu Strombedarf, EE-Ausbau und Elektrifizierungsgrad.
| Kennzahl | Wert | Quelle/Stand |
|---|---|---|
| Grossbatteriespeicher-Bedarf 2037/2045 | 41,1 bis 94,1 GW | Szenariorahmen, BNetzA-genehmigt |
| Gesamtbatteriespeicher (Klein + Gross) | 88 bis 175 GW | NEP-Szenarien A/B/C |
| Speicherdauer-Annahme der UeNB | 2 Stunden | NEP-Modell Standard |
| Bereits zugesagte Netzanschluesse | 51 GW | Stand 05.02.2026 |
| Netzanschlussantraege gesamt (Q3 2025) | 717 Antraege / 270 GW | Alle vier UeNB |
| Davon Grossbatteriespeicher | 545 Antraege / 211 GW | TransnetBW/TenneT |
| Gesamtinvestitionen Stromnetz NEP 2025 | 360 bis 390 Mrd. EUR | Je Szenario |
| Aktuelle Grossspeicher-Kapazitaet operativ | ca. 4-5 GW | Q3 2025, Deutschland |
Die untere Bandbreite (41 GW) gilt für das konservative Szenario A mit geringerem Strombedarf, die obere (94 GW) für das energiepolitisch ambitionierte Szenario. Selbst im Minimal-Szenario entspricht das einer Verzehnfachung der heute operativ installierten Kapazität binnen elf Jahren.
NEP ist Bedarfsplan, nicht Foerderung
Der NEP modelliert, wie viel Speicherkapazitaet das Netz aus Sicht der UeNB benoetigt. Er ist kein Foerderprogramm und keine Bauverpflichtung. Welche der 41-94 GW tatsaechlich realisiert werden, haengt von Erloesmodellen (FCR, aFRR, Arbitrage, Kapazitaetsmarkt) und individuellen Investment-Cases ab. Eine UeNB-Bedarfsbestaetigung ersetzt keinen Cashflow — sie ist aber die regulatorische Mengen-Argumentation, die Banken fuer Kreditpolitik und Projektfinanzierung brauchen.
Antragsstau zeigt Hebel und Risiko zugleich
Die Zahlen der UeNB-Pressemitteilung vom 5. Februar 2026 sind in ihrer Dimension bemerkenswert: Bei den vier Netzbetreibern liegen 545 Anträge für Grossbatteriespeicher mit kumuliert 211 GW Anschlussleistung — das ist Faktor 2,2 bis 5,1 über dem im NEP modellierten Bedarf. Rechnerisch finden also 117 bis 170 GW Antragsvolumen keinen Platz im UeNB-Bedarfsmodell.
Die UeNB reagieren darauf mit einem strukturellen Verfahrenswechsel: Ab dem 1. April 2026 ersetzt das Reifegradverfahren das bisherige Windhundprinzip bei der Vergabe von Netzanschlüssen für Speicher und Grossverbraucher. Bevorzugt werden künftig Projekte mit nachgewiesener Flächensicherung, fortgeschrittenem Genehmigungsstand und dokumentiertem Systemnutzen.
Konsequenz fuer Pipeline-Investoren
Stand-alone-Antraege ohne Sicherungen verlieren ab April 2026 deutlich an Wert — Co-Location-Projekte mit gesicherten Flaechen, BImSchG-Verfahrensstand und nachweisbarem Systembeitrag (Sueddeutschland, Suedlast, netzdienliche Betriebsweise) gewinnen. Vor jeder Beteiligung an einem BESS-Projekt sollte der Reifegrad-Score des Anschlussantrags transparent vom Anbieter ausgewiesen werden. Wer das nicht liefert, hat ein Pipeline-Problem.
Suedlast-Bonus und Speicherdauer-Frage
Die NEP-Szenarien verschieben Grossspeicher-Standorte verstärkt nach Süddeutschland — in jene Regionen, in denen Strompreise hoch und Erzeugung knapp sind. Bayern und Baden-Württemberg sind die rechnerischen Gewinner der Modellierung. Investoren mit Süddeutschland-Standorten profitieren doppelt: höhere Spreads im Day-Ahead-Markt und bessere Priorisierung im Reifegradverfahren.
Offen ist die Speicherdauer-Frage. Die UeNB rechnen aktuell mit 2-Stunden-Speichern als Standardannahme. Der Bundesverband Neue Energiewirtschaft (bne) kritisiert das in seiner Konsultations-Stellungnahme scharf und fordert eine durchschnittliche Speicherdauer von 3 bis 4 Stunden bis 2037. Welche Tiefe sich durchsetzt, entscheidet über den durchschnittlichen Erlös pro Megawatt — längere Speicher ermöglichen mehr Energiehandelszyklen und höhere Auslastung in Reservemärkten. Beobachtbar in Q1/Q2 2026: Neue Grosspeicher kommen marktseitig zunehmend mit 2-4 Stunden auf den Markt, nicht mehr mit 1-2 Stunden.
Was das fuer IAB-Investments bedeutet
Drei Schlüsse aus den NEP-Zahlen, ohne Sicherheitsversprechen:
- Mengen-Floor von rund 36 GW Nettoausbau bis 2037 — selbst im konservativen Szenario A wächst der Markt auf das Zehnfache der heutigen Kapazität. Das ist die Basis für Marktprognosen unter Bankfinanzierungs-Kriterien.
- Regulatorische Anerkennung als Netzinfrastruktur — die Aufnahme in den NEP ist die Voraussetzung dafür, dass Speicher in der laufenden Netzentgelt-Debatte und in Förderdebatten vergleichbar zu Erzeugungs- und Netzinfrastruktur behandelt werden — ein institutionelles Signal mit 20-30-Jahres-Horizont.
- Pipeline-Qualität schlägt Antragszeitpunkt — wer ab 2026 in BESS-Projekte investiert, sollte den Anschlussstatus, Reifegrad und Süddeutschland-Bezug des konkreten Standorts kennen. Die Risiken eines schwachen Reifegrad-Scores sind in unserem Risiken-Hub detailliert beschrieben.
Zeitachse bis zur finalen Genehmigung
Der 2. Entwurf vom 16. März 2026 ist Konsultationsfassung, nicht final genehmigter Plan. Die finale BNetzA-Genehmigung erfolgt typischerweise 6-12 Monate nach Veröffentlichung — also voraussichtlich Q4 2026 bis Q1 2027. Bis dahin können sich einzelne Zahlen im Detail noch verschieben, die Grössenordnung der 41-94-GW-Bandbreite gilt jedoch als verfestigt: Sie steht bereits im genehmigten Szenariorahmen vom April 2025.
Für Investoren ist die Botschaft eindeutig: Die UeNB sehen Grossspeicher nicht mehr als optionalen Marktteilnehmer, sondern als modellierten Bestandteil des Netzes 2037/2045. Wer in IAB-Strukturen investiert, bekommt mit dem NEP erstmals eine quantifizierte Mengen-Argumentation an die Hand — und gleichzeitig die Klarheit, dass Pipeline-Qualität ab dem Reifegradverfahren zur härtesten Selektionsstufe wird. Nutzen Sie unseren Anbietervergleich, um konkrete Projekte gegen diese Kriterien zu prüfen.
