Der norwegische Energiekonzern Statkraft übernimmt ab der zweiten Jahreshälfte 2026 die Direktvermarktung und operative Optimierung von drei Solar-Speicher-Hybridanlagen des Berliner Projektentwicklers SUNCATCHER Group in Sachsen-Anhalt. Das Portfolio umfasst 34,5 MWp PV-Leistung und 12 MW / 24 MWh Batteriespeicher, verteilt auf die Standorte Klötze II, Salzwedel und Seehausen. Der Vermarktungsvertrag läuft bis 2031. Für den Speicherteil wurde ein Profit-Sharing-Modell vereinbart, der Solarstrom geht in die klassische Direktvermarktung.
Was vereinbart wurde
Der Vertrag wurde laut Statkraft-Pressemitteilung bereits Ende Februar 2026 geschlossen und nun öffentlich gemacht. Statkraft übernimmt die integrierte Steuerung von Erzeugung, Speicherung und Vermarktung als „jointly operated hybrid systems" — also als gemeinsam betriebene Hybrid-Systeme, in denen PV-Erzeugung und Speicher-Fahrweise zentral aufeinander abgestimmt werden.
Die Aufteilung der Vermarktungsmechanik:
- Solar-Strom: Direktvermarktung nach den üblichen Markt-Arrangements (Statkraft spricht von „direct marketing arrangements").
- Batteriespeicher: Profit-Sharing-Modell — Statkraft und SUNCATCHER teilen die Erlöse aus der Speicherbewirtschaftung.
- Erlösquellen Speicher: aktive Preissignal-Optimierung am Spotmarkt plus Flexibilitätsvermarktung für zusätzliches Erlöspotenzial.
Die drei Standorte
| Standort | PV (MWp) | BESS (MWh) | Quelle |
|---|---|---|---|
| Klötze II | 11,3 | 8 | SUNCATCHER-Projektliste |
| Seehausen | 12,6 | 8 | SUNCATCHER-Projektliste |
| Salzwedel | ~10,6 (abgeleitet) | 8 (abgeleitet) | Differenz aus Portfoliosumme |
| Portfolio gesamt | 34,5 | 24 | Statkraft-PM (05.05.2026) |
Die Statkraft-Pressemitteilung nennt nur die Portfoliosumme. Klötze II und Seehausen sind mit den genannten Einzelgrößen auf der SUNCATCHER-Projektseite bestätigt; die Salzwedel-Einzelwerte sind aus der Differenz zur Portfoliosumme abgeleitet und nicht durch eine Primärquelle direkt bestätigt.
Rechnerisch ergibt sich für den Speicherteil eine C-Rate von 0,5C (24 MWh : 12 MW = 2-Stunden-Speicher) — typische Auslegung für Co-Location-Anwendungen, bei denen der Speicher PV-Mittagsspitzen in die Abendstunden verschiebt.
Was ist ein Profit-Sharing-Vermarktungsmodell?
Beim klassischen Festpreis-PPA garantiert der Vermarkter dem Asset-Eigentümer einen festen Preis pro MWh — er trägt das Vermarktungsrisiko und behält den Spread zum Marktpreis. Beim Profit-Sharing teilen sich Vermarkter und Eigentümer die tatsächlichen Markterlöse nach einem vereinbarten Schlüssel. Der Eigentümer partizipiert dadurch direkt an guten Marktphasen, trägt aber auch das Risiko schwacher Spreads mit. Für Batteriespeicher ist dieses Modell besonders relevant, weil die Erlöse stark von Volatilität und Vermarktungs-Skill abhängen — beide Seiten haben so ein gemeinsames Interesse an Optimierung.
Statkrafts Hybrid-Strategie
Das SUNCATCHER-Mandat ist das erste öffentlich kommunizierte Fremd-Vermarktungs-Mandat für eine Solar-plus-Batterie-Hybrid-Pipeline in Deutschland. Vorgänger im eigenen Portfolio ist das Projekt Zerbst (Sachsen-Anhalt): 46,4 MW PV + 16 MW / 57 MWh Speicher, Inbetriebnahme Oktober 2025, Investitionsvolumen 45 Mio. Euro auf einer 41 Hektar großen ehemaligen Kiesabbaufläche. Zerbst lief in der EEG-Innovationsausschreibung — bei SUNCATCHER vermarktet Statkraft nun fremde Anlagen Dritter.
Sascha Schroeder, Vice President Central European Origination bei Statkraft, ordnet das Mandat so ein: „Unsere Kooperation mit SUNCATCHER ist ein weiteres Beispiel dafür, wie wir erneuerbare Energie auf innovative und verlässliche Weise an den Markt bringen." Klaas Bauermann (New Business, Statkraft Deutschland) betont die operative Logik: „Hybrid-Projekte entfalten ihren vollen Wert erst dann, wenn Vermarktung, Steuerung und Flexibilität eng aufeinander abgestimmt sind."
Aus Sicht des Asset-Eigentümers SUNCATCHER kommentiert Chief Investment Officer Maximilian Lanig: „Mit dem Profit-Sharing-Modell, das wir mit Statkraft vereinbart haben, kombinieren wir effiziente Asset-Optimierung mit einem transparenten Erlösmodell."
Branchen-Einordnung
Drei Punkte sind für Investoren und Marktbeobachter relevant:
1. Mittelgrößen-Hybride statt Gigaprojekte. Mit 10–13 MWp PV und jeweils 8 MWh BESS pro Standort liegen die Anlagen am unteren bis mittleren Ende der Co-Location-Skala. Das zeigt: Hybrid-Vermarktung ist nicht auf GW-Projekte beschränkt, sondern erreicht auch Mittelgrößen-Portfolios von Projektentwicklern ohne eigene Trading-Operation.
2. Profit-Sharing als Branchen-Muster. Projektentwickler, die keine eigene Vermarktungs-Infrastruktur haben, geben BESS-Erlöse zunehmend an spezialisierte Vermarkter ab — im Tausch gegen Erlösoptimierung und reduzierten Operations-Aufwand. Das verändert die Erlös-Modellierung in Projekt-Kalkulationen: Statt eines fixen MWh-Preises rechnen Investoren mit einem variablen Anteil am Marktertrag.
3. Timing trifft Hochlauf. Die zweite Jahreshälfte 2026 als Inbetriebnahmefenster fällt mit dem von der Branche erwarteten Co-Location-Hochlauf zusammen. Zum Vergleich: Laut BSW lag der Großspeicher-Zubau im ersten Quartal 2026 bei +270 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal.
Profit-Sharing erfordert Vermarkter-Due-Diligence
Beim Profit-Sharing-Modell hängt der Erlös direkt von der Vermarktungs-Qualität ab — Spotmarkt-Optimierung, Flex-Erlöse, Trading-Disziplin. Wer in IAB-Anlagen mit Vermarktungs-Vertrag investiert, sollte den Vermarkter ebenso prüfen wie den Projektentwickler: Track-Record, Vertragslaufzeit, Profit-Share-Quote, Reporting-Transparenz. Unser Anbietervergleich ordnet ein, welche Anbieter mit welchen Vermarktern arbeiten und wie sich das auf die Erlös-Modellierung auswirkt.
Was die Meldung nicht sagt
Aus Investoren-Sicht bleiben mehrere Punkte offen: Statkraft nennt kein Investitionsvolumen, keine konkrete Profit-Share-Quote, keine Speicher-Hersteller oder Zell-Chemie und keine Aussage zum Netzbetreiber. Auch ob die Solar-Komponente unter EEG-Marktprämie oder als reine PPA-Vermarktung läuft, lässt die Formulierung „direct marketing arrangements" offen. Die SUNCATCHER-Projektseite listet für Klötze II und Seehausen den BESS-Teil mit Inbetriebnahme 2027, während die Statkraft-PM von „zweiter Jahreshälfte 2026" spricht — wahrscheinliche Erklärung: PV geht 2026 ans Netz, der Speicher-Teil folgt zeitlich versetzt.
Für die Einordnung in den deutschen Vermarkter-Markt bleibt festzuhalten: Statkraft betreibt nach Eigenangabe seit 2018 Batteriespeicher in Deutschland und positioniert sich nun aktiv als Fremd-Vermarkter für Solar-plus-BESS-Hybride. Das SUNCATCHER-Mandat dürfte nicht das letzte in dieser Logik bleiben — für Projektentwickler ohne eigene Trading-Desk wird Profit-Sharing zur strukturierenden Frage in der Investment-Case-Kalkulation.
