Batteriespeicher-Investments sind ein Thema, bei dem Fachbegriffe aus der Steuerberatung, der Energiewirtschaft und der Batterietechnologie aufeinandertreffen. In diesem Glossar erklären wir Ihnen alle wichtigen Begriffe — alphabetisch sortiert, verständlich formuliert und mit konkreter Praxisrelevanz für Investoren.
Nutzen Sie dieses Glossar als Nachschlagewerk: beim Lesen unserer Artikel, bei Anbieter-Gesprächen und bei der Vertragsprüfung.
A
AfA (Absetzung für Abnutzung)
Die AfA ist die steuerliche Abschreibung eines Wirtschaftsguts über seine betriebsgewöhnliche Nutzungsdauer. Bei Batteriespeichern beträgt die AfA-Dauer laut BMF-Tabelle 10 Jahre, was einer jährlichen linearen Abschreibung von 10% entspricht. Die AfA mindert Ihren steuerpflichtigen Gewinn — Sie zahlen also weniger Steuern. Für Batteriespeicher besonders relevant: Neben der regulären AfA gibt es die Sonder-AfA (siehe dort), die im ersten Jahr zusätzlich 40% Abschreibung ermöglicht. Wie Sie beide optimal kombinieren, erfahren Sie unter Sonder-AfA und IAB kombinieren.
Praxis-Tipp: Achten Sie darauf, dass Ihr Steuerberater die AfA ab dem Monat der Inbetriebnahme ansetzt — nicht erst ab dem Folgejahr. Geht der Speicher im Juli in Betrieb, können Sie für das erste Jahr die Hälfte der Jahres-AfA geltend machen.
aFRR (automatische Frequenzwiederherstellungsreserve)
Die aFRR (englisch: automatic Frequency Restoration Reserve), auch Sekundärregelleistung genannt, ist ein Regelenergie-Produkt. Wenn die Netzfrequenz nach einer Störung nicht allein durch die Primärregelleistung (FCR) stabilisiert werden kann, springt die aFRR ein. Die Aktivierung erfolgt innerhalb von 5 Minuten. Batteriespeicher, die für aFRR präqualifiziert sind, erhalten eine Vergütung sowohl für die Bereitstellung (Leistungspreis) als auch für den tatsächlichen Abruf (Arbeitspreis). Die aFRR macht typischerweise 10–20% der Gesamterlöse eines Batteriespeichers aus.
Für Investoren relevant: Die aFRR-Erlöse sind schwankungsärmer als Arbitrage-Erlöse, weil ein fester Leistungspreis gezahlt wird. Ein Vermarkter, der sowohl FCR als auch aFRR anbieten kann, diversifiziert Ihre Erlösströme.
Arbitrage
Arbitrage bezeichnet im Kontext von Batteriespeichern das Prinzip, Strom zu niedrigen Preisen einzukaufen (z.B. nachts oder bei hoher Solareinspeisung) und zu hohen Preisen zu verkaufen (z.B. in der Abendspitze). Die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis — der sogenannte Spread — ist der Erlös. Arbitrage ist mit 40–60% der Gesamterlöse die wichtigste Einnahmequelle für Großbatteriespeicher.
Arbitrage in der Praxis
Ein Batteriespeicher kauft nachts um 3:00 Uhr Strom für 20 €/MWh und verkauft ihn um 18:00 Uhr für 120 €/MWh. Der Spread beträgt 100 €/MWh. Bei einem Speicher mit 1 MWh Kapazität und einem Zyklus pro Tag ergibt das einen Tageserlös von ca. 100 €, abzüglich Verluste durch den Wirkungsgrad (ca. 10–15%). In der Realität werden mehrere Zyklen pro Tag gefahren und die Preise variieren stark — ein guter Vermarkter optimiert den Einsatz über alle Marktsegmente hinweg.
B
BEE (Bundesverband Erneuerbare Energie)
Der BEE ist der Dachverband der Erneuerbare-Energien-Branche in Deutschland. Er vertritt die Interessen seiner Mitgliedsverbände und -unternehmen gegenüber der Politik und veröffentlicht regelmäßig Studien und Stellungnahmen zum Ausbau erneuerbarer Energien — inklusive Energiespeicher. Für Investoren ist der BEE eine nützliche Quelle für Marktdaten und politische Einschätzungen.
BESS (Battery Energy Storage System)
BESS ist die international gebräuchliche Abkürzung für ein Batterie-Energiespeichersystem. In Deutschland wird auch der Begriff Großbatteriespeicher oder stationärer Batteriespeicher verwendet. Ein BESS besteht aus den Batteriezellen, dem Batteriemanagementsystem (BMS), dem Wechselrichter und der Netzanbindung. Typische Kapazitäten für Investment-Batteriespeicher liegen zwischen 500 kWh und 100 MWh.
Für Investoren relevant: Die Begriffe BESS und Großbatteriespeicher werden in Verträgen und Angeboten synonym verwendet. Achten Sie darauf, dass im Vertrag genau spezifiziert ist, welche Komponenten zum BESS gehören — insbesondere ob Trafo und Netzanschluss enthalten sind.
BMS (Batteriemanagementsystem)
Das BMS überwacht und steuert die einzelnen Batteriezellen. Es sorgt dafür, dass alle Zellen gleichmäßig geladen und entladen werden (Balancing), überwacht Temperatur, Spannung und Strom und schützt die Batterie vor Überladung, Tiefentladung und Überhitzung. Ein gutes BMS verlängert die Lebensdauer der Batterie erheblich und ist ein wesentlicher Qualitätsindikator.
Bundesnetzagentur (BNetzA)
Die Bundesnetzagentur ist die Regulierungsbehörde für Strom, Gas, Telekommunikation und weitere Netze in Deutschland. Sie genehmigt den Anschluss von Batteriespeichern ans Stromnetz, überwacht den Strommarkt und veröffentlicht Daten zum Ausbau der Speicherkapazitäten. Für Investoren ist die BNetzA wichtig, weil sie die Rahmenbedingungen für Netzentgelte und Regelenergie festlegt.
C
C-Rate
Die C-Rate beschreibt die Lade- oder Entladegeschwindigkeit einer Batterie relativ zu ihrer Kapazität. Eine C-Rate von 1C bedeutet, dass die Batterie in einer Stunde vollständig geladen oder entladen wird. Bei 2C dauert es 30 Minuten, bei 0,5C zwei Stunden. Für Arbitrage reicht eine C-Rate von 0,5–1C. Für Regelenergie (FCR) werden oft höhere C-Raten von 1–2C benötigt, um innerhalb von 30 Sekunden reagieren zu können.
Für Investoren relevant: Höhere C-Raten ermöglichen mehr Zyklen pro Tag und damit potenziell höhere Erlöse. Allerdings beschleunigt häufiges schnelles Laden und Entladen die Degradation. Ein guter Vermarkter balanciert Erlösmaximierung und Batterieschonung. Fragen Sie Ihren Anbieter nach der maximalen und der durchschnittlich genutzten C-Rate.
Cashflow
Der Cashflow ist der tatsächliche Geldfluss — also das, was auf Ihrem Konto ankommt. Beim Batteriespeicher-Investment setzt sich der Cashflow zusammen aus: Steuererstattung (IAB), laufende Ausschüttungen aus dem Speicherbetrieb, abzüglich der Investitionssumme und eventueller Betriebskosten. Der Cashflow ist nicht identisch mit der Rendite, da die Rendite auch nicht-zahlungswirksame Posten wie die AfA berücksichtigt.
Curtailment (Abregelung)
Curtailment bezeichnet die erzwungene Drosselung von Stromerzeugungsanlagen durch den Netzbetreiber, wenn das Netz die erzeugte Leistung nicht aufnehmen kann. Bei hoher Solar- und Windeinspeisung werden Anlagen abgeregelt — der Strom geht verloren. Batteriespeicher können diesen überschüssigen Strom aufnehmen und später einspeisen, wenn Bedarf besteht. Curtailment ist ein wachsendes Problem: 2024 wurden in Deutschland über 7 TWh erneuerbare Energie abgeregelt.
Für Investoren relevant: Zunehmendes Curtailment ist ein Indikator dafür, dass Batteriespeicher immer stärker gebraucht werden. Je mehr erneuerbare Energien zugebaut werden, desto häufiger kommt es zu Überangebot — und desto wertvoller werden Speicher, die diese Energie puffern.
D
Day-Ahead-Markt
Der Day-Ahead-Markt ist ein Segment der Strombörse, auf dem Strom für den nächsten Tag gehandelt wird. Die Auktion findet täglich um 12:00 Uhr statt (SDAC — Single Day-Ahead Coupling). Die dort ermittelten Preise sind die Grundlage für die Arbitrage-Strategie vieler Batteriespeicher: Bei niedrigen Day-Ahead-Preisen wird Strom eingekauft, bei hohen verkauft. Die Preisspreads im Day-Ahead-Markt sind die zentrale Kennzahl für die Wirtschaftlichkeit eines Batteriespeichers.
Degradation
Degradation ist der natürliche Kapazitätsverlust einer Batterie über die Lebensdauer. Lithium-Ionen-Batterien verlieren typischerweise 1,5–3% ihrer Kapazität pro Jahr, abhängig von Zellchemie (LFP degradiert langsamer als NMC), Nutzungsintensität, Temperatur und Lade-/Entladetiefe. LFP-Batterien liegen eher bei 1,5–2,5% pro Jahr, NMC bei 2–3%. Nach 10 Jahren hat ein Speicher noch ca. 75–85% seiner ursprünglichen Kapazität. Die Degradation reduziert die Erträge proportional und muss in jeder seriösen Renditeberechnung berücksichtigt werden.
Degradation und Garantie
Namhafte Hersteller garantieren eine Mindestkapazität nach einer bestimmten Laufzeit — typischerweise 70–80% nach 10 Jahren oder nach einer bestimmten Anzahl von Zyklen (z.B. 5.000–10.000 Vollzyklen). Achten Sie bei der Anbieterauswahl auf diese Garantie — sie ist ein wichtiger Indikator für die Qualität der Batterie. Fragen Sie nach: Was passiert, wenn die Garantie-Kapazität unterschritten wird? Gibt es einen Austausch oder eine Entschädigung?
DoD (Depth of Discharge)
Die DoD (Entladetiefe) gibt an, wie viel Prozent der Batteriekapazität tatsächlich genutzt werden. Eine DoD von 80% bedeutet, dass die Batterie nur zu 80% entladen wird — die unteren 20% bleiben als Puffer. Eine höhere DoD ermöglicht mehr nutzbare Energie pro Zyklus, beschleunigt aber die Degradation. Moderne LFP-Batterien vertragen höhere DoD (bis 90–95%) besser als NMC-Zellen.
Für Investoren relevant: Wenn ein Anbieter eine Kapazität von 1.000 kWh nennt, fragen Sie nach der nutzbaren Kapazität bei der geplanten DoD. Bei 80% DoD stehen nur 800 kWh tatsächlich zur Verfügung — die Erlösberechnung muss darauf basieren.
E
EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz)
Das EEG ist das zentrale Gesetz zur Förderung erneuerbarer Energien in Deutschland. Es regelt die Einspeisevergütung für Solar-, Wind- und Bioenergie. Für Batteriespeicher ist das EEG indirekt relevant: Mehr erneuerbare Energien im Netz bedeuten mehr Strompreisschwankungen — und mehr Arbitrage-Möglichkeiten für Speicher. Direkte EEG-Vergütung gibt es für Batteriespeicher nicht. Allerdings profitieren Speicher von der EEG-Umlage-Befreiung seit 2023.
EPEX SPOT
Die EPEX SPOT ist die europäische Strombörse mit Sitz in Paris. Hier werden Stromprodukte für den kurzfristigen Markt gehandelt: Day-Ahead (Strom für den nächsten Tag) und Intraday (Strom für den gleichen Tag). Die EPEX SPOT-Preise sind die Referenzpreise für die Arbitrage-Erlöse von Batteriespeichern. Extreme Preisausschläge — sowohl nach oben (über 500 €/MWh) als auch nach unten (bis zu −500 €/MWh bei negativen Preisen) — sind hier möglich und bieten enormes Erlöspotenzial.
EPC (Engineering, Procurement, Construction)
EPC bezeichnet den Gesamtprozess von Planung, Beschaffung und Bau eines Batteriespeichers. Ein EPC-Vertrag umfasst die schlüsselfertige Errichtung einer Anlage — vom Engineering über die Materialbeschaffung bis zur Montage und Inbetriebnahme. Typische EPC-Kosten für einen Großbatteriespeicher liegen bei 400–700 €/kWh (Stand 2026), wobei die Batteriezellen den größten Kostenblock ausmachen.
Für Investoren relevant: Der EPC-Preis ist ein wesentlicher Bestandteil der Anschaffungskosten und damit der Bemessungsgrundlage für IAB und AfA. Achten Sie in Angeboten darauf, ob der EPC-Preis alle Komponenten umfasst oder ob Netzanschluss und Trafo separat abgerechnet werden.
ESt (Einkommensteuer)
Die Einkommensteuer ist die wichtigste Steuer für Selbständige und Freiberufler. Der IAB mindert den einkommensteuerpflichtigen Gewinn und senkt damit die Einkommensteuer-Last. Der Grenzsteuersatz für die ESt liegt bei maximal 42% (bzw. 45% ab ca. 278.000 € zu versteuerndem Einkommen, sog. Reichensteuersatz). Hinzu kommen Solidaritätszuschlag (5,5% der ESt) und ggf. Kirchensteuer (8–9% der ESt).
F
FCR (Frequency Containment Reserve)
Die FCR (deutsch: Primärregelleistung) ist die schnellste Form der Regelenergie. Wenn die Netzfrequenz von 50 Hz abweicht, müssen FCR-Anbieter innerhalb von 30 Sekunden reagieren. Batteriespeicher sind ideal für FCR, weil sie extrem schnell reagieren können (Millisekunden statt Sekunden). FCR-Erlöse machen typischerweise 20–30% der Gesamterlöse aus und sind relativ stabil, da sie als Leistungspreise (Bereitschaftspreis) vergütet werden — Sie werden also dafür bezahlt, dass der Speicher bereitsteht, nicht nur wenn er tatsächlich Energie liefert.
FCR-Präqualifikation
Um FCR anbieten zu können, muss der Batteriespeicher von einem Übertragungsnetzbetreiber (ÜNB) präqualifiziert werden. Das ist ein technischer Prüfprozess, der sicherstellt, dass der Speicher die Anforderungen erfüllt (Reaktionszeit, Mindestleistung, Kommunikationsanbindung). Die Präqualifikation dauert in der Regel 2–6 Wochen. Ohne FCR-Präqualifikation entfällt eine wichtige Erlösquelle — achten Sie darauf, dass Ihr Anbieter die Präqualifikation vertraglich zusichert.
G
Gewerbesteuer
Die Gewerbesteuer ist eine kommunale Steuer auf Gewerbeerträge. Der IAB mindert auch den Gewerbeertrag und spart damit Gewerbesteuer. Die Höhe hängt vom Hebesatz der Gemeinde ab (typisch: 200–500%, in Großstädten oft 400–500%). Die Gewerbesteuer wird teilweise auf die Einkommensteuer angerechnet (§ 35 EStG, Faktor 4,0 × Messbetrag), sodass die effektive Belastung geringer ist als der Hebesatz vermuten lässt. Bei einem Hebesatz von 400% oder darunter neutralisiert die Anrechnung die Gewerbesteuer weitgehend.
Gewinngrenze
Die Gewinngrenze von 200.000 € ist die Voraussetzung für die Bildung eines IAB. Der Gewinn im Jahr der IAB-Bildung darf diesen Betrag nicht überschreiten. Maßgeblich ist der steuerliche Gewinn nach § 4 Abs. 1 oder § 4 Abs. 3 EStG — also der Gewinn vor Anwendung des IAB. Bei Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) gilt stattdessen eine Betriebsvermögensgrenze von 235.000 €.
I
IAB (Investitionsabzugsbetrag)
Der Investitionsabzugsbetrag nach § 7g EStG ermöglicht es, bis zu 50% der voraussichtlichen Anschaffungskosten eines geplanten Wirtschaftsguts bereits vor dem Kauf steuerlich geltend zu machen. Der maximale Gesamtbetrag beträgt 200.000 € (über alle aktiven IABs). Die Investition muss innerhalb von 3 Jahren nach IAB-Bildung erfolgen. Bei Fristversäumnis wird der IAB rückwirkend aufgelöst — inklusive 1,8% Nachzahlungszinsen pro Jahr (§ 238 Abs. 1a AO). Ausführliche Erklärung: Was ist der IAB?
Intraday-Markt
Der Intraday-Markt ermöglicht den Handel mit Strom am selben Tag der Lieferung — bis zu wenige Minuten vor der physischen Lieferung. Die Preise können hier besonders stark schwanken, was Arbitrage-Chancen für schnell reagierende Batteriespeicher bietet. Der Intraday-Handel macht 5–15% der Gesamterlöse aus und dient oft als Ergänzung zum Day-Ahead-Handel, um kurzfristige Preisausschläge zu nutzen.
K
Kapazitätsmarkt
Ein Kapazitätsmarkt ist ein Marktmechanismus, bei dem Betreiber von Kraftwerken und Speichern für die bloße Bereitstellung von Leistung bezahlt werden — unabhängig davon, ob tatsächlich Strom geliefert wird. Deutschland hat derzeit keinen klassischen Kapazitätsmarkt, diskutiert die Einführung aber im Rahmen der Kraftwerksstrategie. Sollte ein Kapazitätsmarkt kommen, wäre das eine zusätzliche Erlösquelle für Batteriespeicher.
Für Investoren relevant: Die Einführung eines Kapazitätsmarktes in Deutschland gilt als wahrscheinlich und könnte die Erlöse von Batteriespeichern um geschätzt 10–20% steigern. Experten rechnen mit einer Umsetzung frühestens 2027/2028. Dies ist allerdings noch unsicher und sollte nicht in die Basisberechnung einer Investition einfließen.
KWK (Kraft-Wärme-Kopplung)
KWK ist die gleichzeitige Erzeugung von Strom und Wärme in einem Blockheizkraftwerk (BHKW). KWK ist eine Alternative zum Batteriespeicher als IAB-Investment. Die KWK-Zulage bietet eine gewisse Ertragssicherheit, aber BHKW sind standortgebunden und wartungsintensiver als Batteriespeicher. Vergleich: IAB Batteriespeicher vs. BHKW
kWh / MWh (Kilowattstunde / Megawattstunde)
kWh und MWh sind Einheiten für elektrische Energie. 1 MWh = 1.000 kWh. Bei Batteriespeichern gibt die Kapazität in kWh oder MWh an, wie viel Energie der Speicher aufnehmen und abgeben kann. Ein typischer Haushaltsspeicher hat 5–15 kWh, ein Großbatteriespeicher für Investments 500 kWh bis 100+ MWh. Zum Vergleich: Ein durchschnittlicher deutscher Haushalt verbraucht ca. 3.500 kWh pro Jahr.
L
LFP (Lithium-Eisenphosphat)
LFP (LiFePO4) ist eine Lithium-Ionen-Batteriechemie, die für stationäre Speicher besonders beliebt ist. Vorteile: Hohe Sicherheit (kaum Brandgefahr), lange Lebensdauer (5.000–10.000+ Zyklen), gute thermische Stabilität, keine Verwendung von Kobalt (ethisch und preislich vorteilhaft). Nachteile: Geringere Energiedichte als NMC (Nickel-Mangan-Kobalt), etwas schwerer. Für Großbatteriespeicher ist LFP die am weitesten verbreitete Technologie — über 80% der neuen Installationen weltweit nutzen LFP.
Für Investoren relevant: LFP ist der De-facto-Standard für Investment-Speicher. Wenn ein Anbieter NMC-Zellen anbietet, fragen Sie nach dem Grund — NMC hat eine kürzere Lebensdauer und ein höheres Sicherheitsrisiko, bietet dafür aber höhere Energiedichte (relevant bei Platzmangel). Einen detaillierten Vergleich der Technologien finden Sie unter Batteriespeicher-Technologie im Vergleich.
M
Merit Order
Die Merit Order ist die Einsatzreihenfolge der Kraftwerke nach ihren Grenzkosten. Kraftwerke mit den niedrigsten Grenzkosten (Wind, Solar — fast null Grenzkosten) werden zuerst eingesetzt, teurere Kraftwerke (Gas, Kohle) zuletzt. Der Strompreis an der Börse wird durch das teuerste noch benötigte Kraftwerk bestimmt (Merit-Order-Effekt).
Für Investoren relevant: Mehr erneuerbare Energien verschieben die Merit Order. Wenn mittags viel Solar einspeist, fallen die Preise stark — manchmal ins Negative. Abends, wenn Gas- und Kohlekraftwerke einspringen, steigen sie. Diese zunehmende Volatilität ist der Treiber für Arbitrage-Erlöse. Je mehr erneuerbare Energien zugebaut werden, desto größer werden die Preisspreads — und desto profitabler werden Batteriespeicher.
mFRR (Minutenreserve)
Die mFRR (manual Frequency Restoration Reserve), auch Minutenreserve oder Tertiärregelleistung genannt, ist die dritte Stufe der Regelenergie. Sie wird manuell aktiviert und muss innerhalb von 15 Minuten verfügbar sein. Batteriespeicher können mFRR anbieten, die Erlöse sind aber geringer als bei FCR und aFRR, da konventionelle Kraftwerke hier stärker konkurrieren.
MWp (Megawatt Peak)
MWp ist die Einheit für die maximale Leistung einer Photovoltaikanlage unter Standardbedingungen. Bei Batteriespeichern wird stattdessen MW (Megawatt) für die Leistung und MWh für die Kapazität verwendet. Die Unterscheidung ist wichtig: Ein Speicher mit 10 MW / 20 MWh hat eine Leistung von 10 MW und kann diese 2 Stunden lang abgeben (20 MWh / 10 MW = 2h). Das Verhältnis MW zu MWh (die sogenannte Duration) bestimmt, wie flexibel der Speicher eingesetzt werden kann.
N
Netzentgelt
Netzentgelte sind die Gebühren für die Nutzung des Stromnetzes. Sie werden von den Netzbetreibern erhoben und machen einen erheblichen Teil des Strompreises aus. Für Batteriespeicher relevant: Je nach Regulierung können Netzentgelte die Wirtschaftlichkeit beeinflussen, da sie beim Ein- und Ausspeichern anfallen können. Die Bundesnetzagentur arbeitet an einer Regelung zur Entlastung von Speichern bei den Netzentgelten — mit dem Ziel, die doppelte Belastung (Einspeichern + Ausspeichern) zu vermeiden.
Für Investoren relevant: Netzentgelte können 5–15% der Bruttoerlöse ausmachen. Prüfen Sie im Anbieter-Vertrag, wer die Netzentgelte trägt und wie sie in der Renditeberechnung berücksichtigt sind. Weitere Kostenfallen finden Sie unter Versteckte Kosten bei Batteriespeicher-Investments.
NMC (Nickel-Mangan-Kobalt)
NMC ist eine Lithium-Ionen-Batteriechemie mit hoher Energiedichte. NMC wird vor allem in Elektrofahrzeugen eingesetzt, findet aber auch in stationären Speichern Verwendung. Vorteile: Hohe Energiedichte (mehr Energie pro Kilogramm), gute Leistungsfähigkeit. Nachteile: Höhere Kosten als LFP, kürzere Lebensdauer (3.000–5.000 Zyklen vs. 5.000–10.000 bei LFP), höheres Sicherheitsrisiko (Brandgefahr), abhängig von Kobalt-Lieferketten.
P
PPA (Power Purchase Agreement)
Ein PPA ist ein langfristiger Stromliefervertrag zwischen einem Erzeuger und einem Abnehmer. Laufzeiten betragen typischerweise 5–20 Jahre. Für Batteriespeicher relevant, wenn der Speicher in Kombination mit einer Erzeugungsanlage (z.B. Windpark, Solarpark) betrieben wird und den Strom zu definierten Konditionen bezieht oder liefert. PPAs werden zunehmend auch für die Kombination Solar + Speicher genutzt, um eine konstante Stromlieferung zu garantieren.
Präqualifikation
Die Präqualifikation ist der technische Nachweis, dass ein Batteriespeicher die Anforderungen für die Teilnahme am Regelenergiemarkt (FCR, aFRR, mFRR) erfüllt. Ohne Präqualifikation kann der Speicher keine Regelenergie anbieten — eine wichtige Erlösquelle fällt weg. Die Präqualifikation wird durch die Übertragungsnetzbetreiber (50Hertz, Amprion, TenneT, TransnetBW) durchgeführt und umfasst Tests der Reaktionszeit, Leistungsverfügbarkeit und Kommunikationsanbindung.
Für Investoren relevant: Die Präqualifikation dauert 2–6 Wochen nach Inbetriebnahme. In dieser Zeit kann der Speicher nur Arbitrage betreiben — die Erlöse sind geringer. Achten Sie bei der Renditeberechnung darauf, dass diese Anlaufphase berücksichtigt ist.
R
Redispatch
Redispatch bezeichnet Eingriffe der Netzbetreiber in die Erzeugungsleistung von Kraftwerken, um Netzengpässe zu beheben. Kraftwerke vor dem Engpass werden gedrosselt, Kraftwerke hinter dem Engpass hochgefahren. Batteriespeicher können am Redispatch teilnehmen, indem sie Energie an Engpass-Stellen einspeichern oder bereitstellen.
Für Investoren relevant: Redispatch-Kosten lagen 2024 bei über 3 Mrd. € in Deutschland. Batteriespeicher, die an neuralgischen Netzpunkten stehen, können einen Teil dieser Kosten übernehmen und dafür vergütet werden. Der Standort des Speichers spielt hier eine entscheidende Rolle.
Regelenergie
Regelenergie ist Energie, die kurzfristig bereitgestellt wird, um die Netzfrequenz bei 50 Hz zu halten. Es gibt drei Stufen: Primärregelleistung (FCR, 30 Sekunden), Sekundärregelleistung (aFRR, 5 Minuten) und Minutenreserve (mFRR, 15 Minuten). Batteriespeicher sind besonders für FCR und aFRR geeignet, da sie extrem schnell reagieren können. Regelenergie macht zusammen 30–45% der Gesamterlöse eines Batteriespeichers aus.
Roundtrip-Effizienz (Wirkungsgrad)
Die Roundtrip-Effizienz gibt an, wie viel der eingespeicherten Energie tatsächlich wieder abgegeben werden kann. Bei Lithium-Ionen-Batterien liegt sie typischerweise bei 85–92%. Das bedeutet: Von 100 kWh eingespeicherter Energie stehen 85–92 kWh zur Verfügung. Die Verluste (8–15%) gehen als Wärme verloren und reduzieren die Netto-Erlöse aus Arbitrage. LFP-Batterien haben tendenziell einen etwas höheren Wirkungsgrad als NMC.
Für Investoren relevant: Der Wirkungsgrad beeinflusst direkt die Wirtschaftlichkeit. Bei einem Spread von 100 €/MWh und 90% Wirkungsgrad beträgt der tatsächliche Erlös nur 80 €/MWh (100 € Verkauf − 10 € Verlust − 10 € anteiliger Einkauf). Achten Sie darauf, dass Renditeberechnungen den realen Wirkungsgrad verwenden, nicht den theoretischen.
S
SoC (State of Charge)
Der SoC (Ladezustand) gibt an, wie voll die Batterie aktuell geladen ist — in Prozent der Gesamtkapazität. Ein SoC von 50% bedeutet, dass die Batterie zur Hälfte geladen ist. Für die Optimierung der Erträge ist der SoC entscheidend: Der Vermarkter muss steuern, wann geladen und entladen wird, um die Preisspreads optimal zu nutzen — und gleichzeitig genügend Reservekapazität für Regelenergie vorhalten.
SoH (State of Health)
Der SoH (Gesundheitszustand) gibt an, wie viel der ursprünglichen Kapazität die Batterie noch hat — also wie weit die Degradation fortgeschritten ist. Ein SoH von 85% bedeutet, dass die Batterie noch 85% ihrer ursprünglichen Kapazität hat. Der SoH ist ein wichtiger Indikator für den Restwert des Speichers und wird regelmäßig durch das BMS ermittelt.
Für Investoren relevant: Lassen Sie sich von Ihrem Anbieter regelmäßige SoH-Berichte geben. Ein SoH, der schneller fällt als erwartet (z.B. 90% nach 3 Jahren statt nach 5 Jahren), deutet auf Qualitätsprobleme oder zu aggressive Nutzung hin.
Sonder-AfA (Sonderabschreibung)
Die Sonder-AfA nach § 7g Abs. 5 EStG ermöglicht eine zusätzliche Abschreibung von 40% der (geminderten) Anschaffungskosten im Jahr der Anschaffung oder in den vier Folgejahren — zusätzlich zur regulären AfA. Wurde ein IAB gebildet, werden die AK gemäß § 7g Abs. 2 S. 2 EStG gemindert — die Sonder-AfA berechnet sich dann auf diese reduzierte Bemessungsgrundlage. Zusammen mit der regulären AfA von 10% können im ersten Jahr bis zu 50% der geminderten AK abgeschrieben werden. Beispiel: Bei 200.000 € Investition und 100.000 € IAB beträgt die geminderte AK 100.000 € — die Sonder-AfA beläuft sich auf 40.000 €.
T
Transformator (Trafo)
Der Transformator verbindet den Batteriespeicher mit dem Mittelspannungsnetz. Er wandelt die Spannung vom Niederspannungsniveau des Wechselrichters auf die Mittelspannung des Netzes um (typisch: von 400 V auf 10–30 kV). Der Trafo ist ein wesentlicher Bestandteil der Netzanbindung und kann 5–15% der Gesamtinvestitionskosten ausmachen. Achten Sie darauf, ob der Trafo im Angebotspreis enthalten ist.
U
ÜNB (Übertragungsnetzbetreiber)
Die vier deutschen Übertragungsnetzbetreiber — 50Hertz, Amprion, TenneT und TransnetBW — betreiben das Höchstspannungsnetz (220/380 kV) und sind für die Netzstabilität verantwortlich. Sie beschaffen die Regelenergie, an der Batteriespeicher teilnehmen können. Die Präqualifikation für Regelenergie erfolgt durch den zuständigen ÜNB, der sich nach dem Standort des Speichers richtet.
V
Vermarkter (Direktvermarkter)
Ein Vermarkter (auch Aggregator oder Vermarktungspartner) ist ein Unternehmen, das den Batteriespeicher an den Strommärkten handelt. Er optimiert den Einsatz des Speichers über alle Erlöskanäle (Arbitrage, Regelenergie, Intraday) und maximiert die Erträge. Die Qualität des Vermarkters hat einen erheblichen Einfluss auf die Rendite des Investments — der Unterschied zwischen einem guten und einem mittelmäßigen Vermarkter kann 20–30% bei den Erlösen ausmachen.
Für Investoren relevant: Fragen Sie nach der Vermarktungsstrategie, der Erlösaufteilung (Revenue Share) und den Track Records des Vermarkters. Ein seriöser Vermarkter kann historische Erlösdaten vorweisen.
Vollzyklus
Ein Vollzyklus besteht aus einer kompletten Ladung (0% auf 100% SoC) und einer kompletten Entladung (100% auf 0% SoC). Die Lebensdauer einer Batterie wird oft in Vollzyklen angegeben (z.B. 5.000–10.000 Vollzyklen bei LFP). In der Praxis fährt ein Speicher oft keine vollen Zyklen, sondern Teilzyklen — zwei halbe Zyklen (50% DoD) entsprechen einem Vollzyklus. Ein typischer Großbatteriespeicher absolviert 1,5–2 Vollzyklen pro Tag, also ca. 550–730 Vollzyklen pro Jahr.
W
Wechselrichter (Inverter)
Der Wechselrichter wandelt den Gleichstrom der Batterie in Wechselstrom um (und umgekehrt beim Laden). Er ist eine zentrale Komponente des Batteriespeichers und beeinflusst die Effizienz, Leistung und Lebensdauer des Systems. Hochwertige Wechselrichter haben einen Wirkungsgrad von 97–99%. Die Lebensdauer von Wechselrichtern ist typischerweise kürzer als die der Batteriezellen (10–15 Jahre vs. 15–20 Jahre), sodass ein Austausch während der Speicher-Laufzeit eingeplant werden sollte.
Wirkungsgrad
Siehe Roundtrip-Effizienz. Der Wirkungsgrad eines Batteriespeichers umfasst die Verluste bei der Wandlung (Wechselrichter), Speicherung (Selbstentladung) und dem Batteriemanagementsystem. Der Gesamtwirkungsgrad beeinflusst direkt die Netto-Erlöse — jeder Prozentpunkt mehr Wirkungsgrad bedeutet höhere Einnahmen.
Z
Zyklen (Ladezyklen)
Die Anzahl der Zyklen ist ein Maß für die Nutzungsintensität und Lebensdauer einer Batterie. Jeder vollständige Lade-/Entladevorgang zählt als ein Zyklus (siehe Vollzyklus). Moderne LFP-Batterien sind für 5.000–10.000 Zyklen ausgelegt. Bei durchschnittlich 1,5–2 Zyklen pro Tag ergibt das eine Lebensdauer von 7–15 Jahren. Die tatsächliche Nutzungsdauer hängt von der Lade-/Entladetiefe (DoD), Temperatur, C-Rate und dem Batteriemanagementsystem ab.
Für Investoren relevant: Fragen Sie Ihren Anbieter nach der geplanten Zyklenanzahl pro Jahr und der Zyklen-Garantie. Ein Speicher, der mit 2 Zyklen pro Tag und 10 Jahren Laufzeit kalkuliert wird, durchläuft ca. 7.300 Zyklen — das sollte innerhalb der Herstellergarantie liegen.
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