Der chinesische Batteriehersteller CATL und der Speicher-Systemanbieter HyperStrong haben am 27. April 2026 einen Liefervertrag über 60 Gigawattstunden Natrium-Ionen-Batterien unterschrieben. Die Lieferung läuft über drei Jahre ab 2026. Laut CATL ist es der weltweit größte Liefervertrag für Natrium-Ionen-Speicher bisher (CATL, 06.05.2026).
Was bedeutet das für Sie?
Natrium-Ionen ist keine neue Erfindung. Bisher gab es aber vor allem Pilotanlagen und Roadmap-Ankündigungen. Mit 60 GWh — das entspricht rund 60 großen Speicherparks mit je 1 GWh — wechselt die Technologie in die Serienproduktion im Gigawattstunden-Maßstab. HyperStrong ist nach Angaben von CATL der erste strategische Partner für Natrium-Ionen-Energiespeicher.
Technisch nennt CATL drei Vorteile gegenüber dem heutigen Standard LFP (Lithium-Eisenphosphat): Die Zellen erzeugen weniger Wärme im Betrieb, sie funktionieren in einem breiteren Temperaturbereich, und die Zellen dehnen sich weniger aus. Das senkt Kosten für Kühlung und Brandschutz — beides relevante Kostenblöcke bei Großspeichern. Die neuen Zellen haben außerdem dieselbe Bauform wie heutige Lithium-Zellen. Bestehende Fertigungslinien und Container-Systeme lassen sich weiterverwenden (CATL, 06.05.2026). Zudem braucht Natrium-Ionen weder Lithium noch Kobalt — zwei Rohstoffe, die teuer und politisch heikel sind.
Was diesen Auftrag von früheren Ankündigungen abhebt: CATL hat nach eigenen Angaben zwei zentrale Produktionsprobleme gelöst — die Schaumbildung in der Hartkohle-Fertigung und die Feuchtigkeitskontrolle bei der Zellmontage. Beides galt bisher als Haupthürde für die Großserie.
Wer 2026 oder Anfang 2027 in einen Großspeicher investiert, baut weiterhin mit LFP. Daran ändert dieser Vertrag nichts. Die ersten Auslieferungen gehen an HyperStrong in China und erreichen den europäischen Markt zunächst nicht. Ab 2027/28 entsteht aber eine zweite ernstzunehmende Zelltechnologie am Markt. Das kann mittelfristig Preisdruck auf LFP-Speicher auslösen — gut für neue Käufer, ungünstiger für die Wiederverkaufswerte heute gebauter Anlagen. Belastbare Preisvergleiche pro Kilowattstunde nennt CATL bisher nicht.
Konkrete Handlungsempfehlung: Bei Liefer- und EPC-Verträgen für Projekte mit Inbetriebnahme ab 2027 sollten Sie darauf achten, nicht ausschließlich auf LFP-Zellen festgelegt zu sein. Eine Klausel, die alternative Zellchemien zulässt, sichert Verhandlungsspielraum. Für laufende Projekte mit Inbetriebnahme 2026 bleibt LFP die richtige Basis — Garantielaufzeiten und Wirtschaftlichkeitsrechnungen sind dort etabliert.
