Der Sekundärmarkt für deutsche Batteriespeicher-Projekte bekommt einen neuen Käufertyp: Chint Solar Europe, der europäische Arm des chinesischen Energietechnik-Konzerns, hat ein Portfolio aus fünf Speicherprojekten mit zusammen 56 MW Leistung und 180 MWh Kapazität an Second Foundation verkauft — ein Energiehandelshaus aus Prag. Die Projekte liegen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg; die Transaktionsmeldung der beteiligten Kanzlei Osborne Clarke datiert vom 10. Juni 2026.
Forward-COD: Verkauft wird, was noch nicht läuft
Bemerkenswert ist die Struktur des Deals: Die Anlagen wechseln vor der Inbetriebnahme den Eigentümer („Forward-COD" — Commercial Operation Date). Chint liefert die Projekte schlüsselfertig und übernimmt Errichtung (EPC) sowie die anschließende Betriebsführung (O&M); die Netzanschlüsse sind zwischen dem zweiten Quartal 2026 und dem dritten Quartal 2027 geplant. Einen Kaufpreis nennen die Beteiligten nicht. Beraten wurde Chint von Capcora (Finanzen) und Osborne Clarke (Recht); es ist die erste Batteriespeicher-Portfoliotransaktion des Unternehmens in Deutschland.
Forward-Verkäufe sind aus dem Solar- und Windgeschäft vertraut, im deutschen Speichermarkt aber noch jung. Dass sie jetzt ankommen, sagt zweierlei: Käufer trauen den Projektpipelines deutscher Entwickler genug, um vor Fertigstellung zu zeichnen — und Entwickler bekommen einen planbaren Exit-Kanal, der Kapital für die nächsten Projekte freisetzt.
Der Käufer: Ein Händler, kein Fonds
Second Foundation ist kein klassischer Infrastruktur-Investor, sondern ein quantitativer Stromhändler — nach eigenen Angaben wickelt das Prager Haus rund 8 Prozent des deutschen kontinuierlichen Intraday-Handelsvolumens ab und hat bereits 600 MW Batteriespeicher im Bau. Die Logik des Kaufs: Wer im Intraday-Markt handelt, kann physische Speicher direkt in seine Handelsstrategien einbetten — die Batterie wird zum ausführenden Arm des Algorithmus.
Damit tritt neben Energiekonzerne (EnBW), Infrastrukturfonds und integrierte Plattformen (Terralayr) eine vierte Käufergruppe: Handelshäuser, die Speicher nicht als Rendite-Asset, sondern als Handels-Infrastruktur bewerten — und dafür teils andere Preise zahlen können.
| Eckdatum | Wert |
|---|---|
| Portfolio | 5 Projekte, 56 MW / 180 MWh |
| Standorte | Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg |
| Struktur | Forward-COD, schlüsselfertig inkl. EPC + O&M durch Chint |
| Netzanschlüsse | Q2 2026 bis Q3 2027 |
| Käufer | Second Foundation (Energiehandel, Prag) |
| Kaufpreis | nicht veröffentlicht |
Was der Deal für private Speicher-Investoren bedeutet
Ein liquider Sekundärmarkt ist für jede Sachwert-Anlageklasse die halbe Miete: Er schafft Referenzpreise und einen Ausstiegskanal. Dass internationale Händler deutsche Speicherprojekte inzwischen vor Fertigstellung kaufen, professionalisiert die Bewertungsmaßstäbe — wovon mittelbar auch kleinere Projekte profitieren, deren Anbieter sich an diesen Maßstäben messen lassen müssen. Zugleich gilt: Ein Händler mit 8 Prozent Intraday-Marktanteil optimiert seine eigenen Speicher zuerst. Je mehr Kapazität in solchen integrierten Strategien steckt, desto anspruchsvoller wird der Markt für alle, die nur „laden billig, entladen teuer" kalkulieren — die Qualität des Vermarktungspartners wird zum Renditefaktor. Worauf es dabei ankommt, zeigt die Vermarkter-Analyse.
