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Hafengelände bei Nacht im Regen: rot beleuchtete Frachtcontainer spiegeln sich in nassem Asphalt, dahinter die Hochhäuser einer Bankenskyline.
AktuellesNewsStand: Juni 2026

Förderstedt durchfinanziert: Santander und NORD/LB stemmen Deutschlands größtes Speicherprojekt — Vermarktung schon vergeben

Zwei Meldungen binnen zwei Wochen machen Förderstedt zum Referenzprojekt: Banco Santander und NORD/LB finanzieren den 300-MW-Speicher von Eco Stor, Next Kraftwerke übernimmt die Vermarktung per 5-Jahres-Tolling. Der erste Block geht im November 2026 an den Markt.

Batteriespeicher-ReportRedaktion

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Das Wichtigste in Kürze

  • Banco Santander und NORD/LB haben Mitte Juni die Finanzierung für Förderstedt abgeschlossen — laut Eco Stor das bislang größte in Deutschland finanzierte Batteriespeicher-Projekt (300 MW / 716 MWh brutto)
  • Bereits Anfang Juni sicherte sich Next Kraftwerke die Vermarktung per fünfjährigem Tolling-Vertrag — der erste 100-MW-Block geht ab November 2026 an Day-Ahead-, Intraday- und Regelenergiemärkte
  • Das „Tolling 2.0“-Modell preist erstmals die Restriktionen aus der flexiblen Netzanschlussvereinbarung mit 50Hertz mit ein
  • Damit ist die komplette Verwertungskette des Projekts vor Vollbetrieb (2027) geschlossen: Bankkredit, Vermarktungsvertrag, gestufte Inbetriebnahme

Innerhalb von zwei Wochen hat der Großspeicher Förderstedt (Sachsen-Anhalt) die beiden Bausteine bekommen, an denen deutsche Speicherprojekte am häufigsten hängen: Bankfinanzierung und Vermarktung. Am 15. Juni meldete Projektentwickler Eco Stor den Finanzierungsabschluss mit Banco Santander und NORD/LB — nach Unternehmensangaben „das bislang größte in Deutschland finanzierte Batteriespeicherprojekt". Schon Anfang Juni hatte Next Kraftwerke die Vermarktung des Speichers in einem fünfjährigen Tolling-Vertrag übernommen.

Für das 300-MW-Projekt, dessen Baufortschritt wir seit dem Frühjahr verfolgen, ist damit die komplette Verwertungskette geschlossen, bevor die Anlage überhaupt in den Vollbetrieb geht.

Die Finanzierung: Zwei Banken, ein Referenzsignal

Über die ECO POWER THREE GmbH, eine Tochter der Eco Stor, finanzieren Santander und die NORD/LB den Speicher mit 300 MW Leistung und 716 MWh Bruttokapazität (die Finanzierungsmitteilung selbst nennt 718 MWh — Eco Stor ist hier intern leicht inkonsistent). Eine Finanzierungssumme nennen die Beteiligten nicht.

Wichtiger als die fehlende Zahl ist der Präzedenzfall: Projektfinanzierung durch zwei internationale Geschäftsbanken — ohne Förderkulisse, auf Basis der Markterlöse. Noch auf dem Banken-Forum im Frühjahr galt die Finanzierbarkeit von Merchant-Speichern als das Nadelöhr der Branche. Förderstedt liefert jetzt den Beleg, dass die Banken-Due-Diligence bei entsprechender Absicherung durch ist.

Die Vermarktung: „Tolling 2.0" mit eingepreisten Netz-Restriktionen

Die Absicherung liefert der zweite Juni-Deal: Next Kraftwerke — einer der größten Direktvermarkter Europas — übernimmt die Kapazität für fünf Jahre und optimiert sie marktübergreifend an Day-Ahead-, Intraday- und Regelenergiemärkten. Der erste 100-MW-Block startet im November 2026, die beiden weiteren Blöcke folgen sukzessive; den Vollbetrieb erreicht die Anlage 2027.

Bemerkenswert ist ein Detail, das über dieses Projekt hinausweist: Der Vertrag schließt ausdrücklich die Restriktionen aus der flexiblen Netzanschlussvereinbarung mit 50Hertz ein — etwa Rampenlimits und Vorgaben bei Systemdienstleistungen. Flexible Netzanschlüsse werden im deutschen Markt zum Standard, weil sie schnellere Anschlusszusagen ermöglichen; dass ein Vermarkter diese Einschränkungen jetzt vertraglich einpreist („Tolling 2.0"), macht solche Projekte erst kalkulierbar.

BausteinStand Juni 2026
Leistung / Kapazität300 MW / 716 MWh brutto (DC)
Aufbau3 unabhängig betreibbare Blöcke à 100 MW
FinanzierungBanco Santander + NORD/LB (Abschluss 15.06.2026)
VermarktungNext Kraftwerke, 5-Jahres-Tolling, Cross-Market
Marktstart Block 1November 2026
Vollbetrieb2027
Netzanschluss110 kV, flexible Anschlussvereinbarung mit 50Hertz

Einordnung: Die Blaupause für bankfähige Speicherprojekte

Förderstedt zeigt die Reihenfolge, in der große Speicherprojekte in Deutschland inzwischen entwickelt werden: erst Netzanschluss, dann Vermarktungsvertrag, dann Bankfinanzierung — jede Stufe entriskt die nächste. Der Tolling-Vertrag verwandelt volatile Markterlöse in planbare Zahlungsströme, und genau diese Planbarkeit ist es, die Banken finanzieren.

Der Prüfmaßstab für kleinere Projekte

Was bei 300 MW funktioniert, ist der Maßstab, an dem sich auch IAB-Batteriespeicher-Angebote messen lassen müssen. Drei Fragen aus der Förderstedt-Blaupause gehören in jede Angebotsprüfung: Ist der Netzanschluss gesichert — und zu welchen Bedingungen? Wer vermarktet den Strom, und sind Erlöse vertraglich unterlegt oder nur prognostiziert? Und: Würde eine Bank dieses Projekt finanzieren? Wo die Antworten fehlen, trägt der Investor Risiken, die Profis vertraglich wegverhandeln. Die Checkliste zur Angebotsprüfung geht die Punkte systematisch durch.

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