Innerhalb von zwei Wochen hat der Großspeicher Förderstedt (Sachsen-Anhalt) die beiden Bausteine bekommen, an denen deutsche Speicherprojekte am häufigsten hängen: Bankfinanzierung und Vermarktung. Am 15. Juni meldete Projektentwickler Eco Stor den Finanzierungsabschluss mit Banco Santander und NORD/LB — nach Unternehmensangaben „das bislang größte in Deutschland finanzierte Batteriespeicherprojekt". Schon Anfang Juni hatte Next Kraftwerke die Vermarktung des Speichers in einem fünfjährigen Tolling-Vertrag übernommen.
Für das 300-MW-Projekt, dessen Baufortschritt wir seit dem Frühjahr verfolgen, ist damit die komplette Verwertungskette geschlossen, bevor die Anlage überhaupt in den Vollbetrieb geht.
Die Finanzierung: Zwei Banken, ein Referenzsignal
Über die ECO POWER THREE GmbH, eine Tochter der Eco Stor, finanzieren Santander und die NORD/LB den Speicher mit 300 MW Leistung und 716 MWh Bruttokapazität (die Finanzierungsmitteilung selbst nennt 718 MWh — Eco Stor ist hier intern leicht inkonsistent). Eine Finanzierungssumme nennen die Beteiligten nicht.
Wichtiger als die fehlende Zahl ist der Präzedenzfall: Projektfinanzierung durch zwei internationale Geschäftsbanken — ohne Förderkulisse, auf Basis der Markterlöse. Noch auf dem Banken-Forum im Frühjahr galt die Finanzierbarkeit von Merchant-Speichern als das Nadelöhr der Branche. Förderstedt liefert jetzt den Beleg, dass die Banken-Due-Diligence bei entsprechender Absicherung durch ist.
Die Vermarktung: „Tolling 2.0" mit eingepreisten Netz-Restriktionen
Die Absicherung liefert der zweite Juni-Deal: Next Kraftwerke — einer der größten Direktvermarkter Europas — übernimmt die Kapazität für fünf Jahre und optimiert sie marktübergreifend an Day-Ahead-, Intraday- und Regelenergiemärkten. Der erste 100-MW-Block startet im November 2026, die beiden weiteren Blöcke folgen sukzessive; den Vollbetrieb erreicht die Anlage 2027.
Bemerkenswert ist ein Detail, das über dieses Projekt hinausweist: Der Vertrag schließt ausdrücklich die Restriktionen aus der flexiblen Netzanschlussvereinbarung mit 50Hertz ein — etwa Rampenlimits und Vorgaben bei Systemdienstleistungen. Flexible Netzanschlüsse werden im deutschen Markt zum Standard, weil sie schnellere Anschlusszusagen ermöglichen; dass ein Vermarkter diese Einschränkungen jetzt vertraglich einpreist („Tolling 2.0"), macht solche Projekte erst kalkulierbar.
| Baustein | Stand Juni 2026 |
|---|---|
| Leistung / Kapazität | 300 MW / 716 MWh brutto (DC) |
| Aufbau | 3 unabhängig betreibbare Blöcke à 100 MW |
| Finanzierung | Banco Santander + NORD/LB (Abschluss 15.06.2026) |
| Vermarktung | Next Kraftwerke, 5-Jahres-Tolling, Cross-Market |
| Marktstart Block 1 | November 2026 |
| Vollbetrieb | 2027 |
| Netzanschluss | 110 kV, flexible Anschlussvereinbarung mit 50Hertz |
Einordnung: Die Blaupause für bankfähige Speicherprojekte
Förderstedt zeigt die Reihenfolge, in der große Speicherprojekte in Deutschland inzwischen entwickelt werden: erst Netzanschluss, dann Vermarktungsvertrag, dann Bankfinanzierung — jede Stufe entriskt die nächste. Der Tolling-Vertrag verwandelt volatile Markterlöse in planbare Zahlungsströme, und genau diese Planbarkeit ist es, die Banken finanzieren.
Der Prüfmaßstab für kleinere Projekte
Was bei 300 MW funktioniert, ist der Maßstab, an dem sich auch IAB-Batteriespeicher-Angebote messen lassen müssen. Drei Fragen aus der Förderstedt-Blaupause gehören in jede Angebotsprüfung: Ist der Netzanschluss gesichert — und zu welchen Bedingungen? Wer vermarktet den Strom, und sind Erlöse vertraglich unterlegt oder nur prognostiziert? Und: Würde eine Bank dieses Projekt finanzieren? Wo die Antworten fehlen, trägt der Investor Risiken, die Profis vertraglich wegverhandeln. Die Checkliste zur Angebotsprüfung geht die Punkte systematisch durch.
