Der BESS-Entwickler Green Flexibility hat am 30. Juni 2026 die Übernahme eines Batteriespeicher-Projektportfolios vom Entwickler Kajoni bekannt gegeben. Das Portfolio umfasst 750 Megawatt Leistung und 3 Gigawattstunden Kapazität. Beraten wurde die Transaktion von GreenCap Partners; zur Investitionssumme machten die Beteiligten keine Angaben. Die Meldung ist aus einem Grund bemerkenswert, der über die reinen Zahlen hinausgeht: Es ist die erste sichtbare große Transaktion, die ausdrücklich auf das neue Reifegradverfahren ausgerichtet ist.
Was das Reifegradverfahren an der Transaktion ändert
Seit dem 1. April 2026 vergeben die vier Übertragungsnetzbetreiber Netzanschlusskapazität nach dem Reifegradverfahren — es hat das alte Windhundprinzip („first come, first served") abgelöst. Vergeben wird Anschlusskapazität nun an die Projekte, die am weitesten fortgeschritten sind. Das belohnt Reife und verlagert Kapitalbedarf und Risiko in die Frühphase der Projektentwicklung: Wer im Verfahren nach vorne will, muss früher mehr Geld in Planung, Grundstückssicherung und Genehmigung stecken.
Genau diese Logik bildet die Transaktion ab. Die Arbeitsteilung:
| Rolle | Kajoni | Green Flexibility |
|---|---|---|
| Aufgabe | Entwicklung bis Ready-to-Build (RTB) | Kapital, Realisierung, Betrieb, Vermarktung |
| Phase | Frühe Projektentwicklung im Reifegradverfahren | Ab Baureife bis Betrieb |
| Beitrag | Projektrechte und Genehmigungsreife | Finanzierung und Umsetzungsplattform |
Kajoni entwickelt die Projekte also bis zur Baureife weiter und bringt sie ins Verfahren ein, während Green Flexibility das Kapital während der Entwicklungsphase stellt und die Projekte danach übernimmt. Simon Wisseler, Director M&A bei Green Flexibility, betonte, man könne mit dem erworbenen Portfolio „weitere großskalige Batteriespeicherprojekte in das Verfahren einbringen". Kajoni-Geschäftsführer Manuel Stiller lobte die „Pragmatik und Fairness" in den Verhandlungen.
Einordnung für Investoren
Für die Bewertung von Speicher-Investments liefert der Deal zwei Signale. Erstens setzt sich die Konsolidierung fort, die auch andere Transaktionen der vergangenen Monate geprägt hat: Entwickler ohne tiefe Kapitaldecke verkaufen Pipeline an kapitalstarke Plattformen, die Bau, Betrieb und Vermarktung aus einer Hand stemmen. Der Markt für deutsche Speicherprojektrechte institutionalisiert sich.
Zweitens verschiebt das Reifegradverfahren die Werttreiber eines Projekts. Nicht mehr der bloße Netzanschluss-Antrag hat Wert, sondern der Entwicklungsfortschritt bis zur Baureife. Für IAB-Investoren, die typischerweise am Ende dieser Kette in ein baureifes oder betriebsbereites Projekt einsteigen, ist das eher günstig: Die Vorfinanzierung des Entwicklungsrisikos übernehmen zunehmend spezialisierte Plattformen. Umso wichtiger bleibt die Frage, wer im konkreten Angebot welche Phase verantwortet — und wie belastbar die zugrunde gelegten Erlösannahmen sind. Der Rendite-Rechner hilft, Letzteres unabhängig vom Verkaufsprospekt zu prüfen.
