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Kraftwerksstrategie: 12 GW Gesamtstrategie, 11 GW Tranche 2026 — welche Rolle spielen Großspeicher?
AktuellesNewsStand: Mai 2026

Kraftwerksstrategie: 12 GW Gesamtstrategie, 11 GW Tranche 2026 — welche Rolle spielen Großspeicher?

Gesamtstrategie 12 GW bis 2030 (10 GW H2-ready Gas + 2 GW technologieoffen). Erste Tranche 2026: 11 GW (9 GW Langfrist + 2 GW technologieoffen) in zwei BNetzA-Auktionen am 01.09. und 08.12.2026. Was der StromVKG-Referentenentwurf für Großspeicher bedeutet.

Batteriespeicher-ReportRedaktion

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Das Wichtigste in Kürze

  • Gesamtstrategie BMWE/EU-Kommission 15.01.2026: 12 GW gesicherte Leistung bis 2030/2031 — 10 GW mit 10-Stunden-Volllast-Kriterium (faktisch H2-ready Gas) plus 2 GW technologieoffen
  • Erste Tranche 2026 laut StromVKG-Entwurf 27.04.2026: 11 GW Gesamtvolumen (9 GW Langfrist + 2 GW technologieoffen), aufgeteilt in zwei BNetzA-Auktionen am 01.09.2026 und 08.12.2026
  • BNE-Berechnungen vom 05.05.2026 zur Benachteiligung: Deutschland deratet Speicher auf 58 %, Belgien auf 77 %, UK auf über 92 % — Primärquellen Ofgem (UK) und CREG (BE) sind im BNE-Papier nicht im Detail belegt

Am 27. April 2026 hat das Bundeswirtschaftsministerium den Referentenentwurf des Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätengesetzes (StromVKG) vorgelegt — den gesetzlichen Rahmen für die im Januar 2026 mit der EU-Kommission vereinbarte Kraftwerksstrategie. Für Batteriespeicher-Investoren ist das eine zwiespältige Nachricht: Der Staat ruft über die Gesamtstrategie 12 GW gesicherte Leistung ab und konkretisiert mit der ersten Tranche 2026 ein Volumen von 11 GW — aber das Regelwerk bevorzugt klar wasserstofffähige Gaskraftwerke. Welche Rolle Speicher in diesem Mechanismus wirklich spielen, zeigt die Markt-Analyse im Detail.

Was die Kraftwerksstrategie ausschreibt

Wichtig ist die saubere Trennung der Bezugsgrößen:

  • Gesamtstrategie (Eckpunkte BMWE/EU-Kommission, 15.01.2026): 12 GW neue steuerbare Kapazität bis 2030/2031 — davon 10 GW mit 10-Stunden-Langfristkriterium (faktisch H2-ready Gas) und 2 GW technologieoffen. Verteilt auf drei Ausschreibungstranchen 2026, 2027 und 2029/2030.
  • Erste Tranche 2026 (StromVKG-Referentenentwurf, 27.04.2026): 11 GW Gesamtvolumen — davon 9 GW Langfrist-Kraftwerke + 2 GW technologieoffen. BNetzA führt zwei Auktionen am 01.09.2026 und 08.12.2026 durch (je 4,5 GW Langfrist; die 2 GW technologieoffen werden in den gleichen Auktionen mit eigenen Losen ausgeschrieben).
BezugsgrößeVolumenAufteilungQuelle
Gesamtstrategie 2026-2030/203112 GW10 GW Langfrist + 2 GW technologieoffenBMWE-PM 15.01.2026
Erste Tranche 202611 GW9 GW Langfrist + 2 GW technologieoffenStromVKG-Entwurf 27.04.2026
BNetzA-Auktion 01.09.20264,5 GW Langfrist + Lose technologieoffenSpeicher nur im 2-GW-LostopfStromVKG-Entwurf 27.04.2026
BNetzA-Auktion 08.12.20264,5 GW Langfrist + Lose technologieoffenSpeicher nur im 2-GW-LostopfStromVKG-Entwurf 27.04.2026

Die Förderpfade staffeln Kapazitätszahlungen über 1, 7 oder 15 Jahre — je nach Investitionstiefe. Die 15-Jahres-Zahlungen sind den Neuanlagen mit hohem Capex vorbehalten und entsprechen damit der 9-GW-Langfrist-Tranche. Speicher in der 2-GW-Tranche bekommen kürzere Laufzeiten, was die Finanzierungslogik für langlaufende Bond-Strukturen ändert.

Das 10-Stunden-Kriterium — der eigentliche Knackpunkt

§ 12 (5) StromVKG legt fest: Langfristkapazitäten müssen mindestens 10 Stunden ununterbrochen Volllast leisten. Für "energiebegrenzte Technologien" wie Batteriespeicher muss diese Anforderung zudem "jederzeit innerhalb einer Stunde" wiederhergestellt sein.

In der Praxis schließt das Kriterium konventionelle Lithium-Ionen-Speicher mit 2-4 Stunden Entladedauer aus dem 9-GW-Langfrist-Volumen aus. Wer einen 1-Stunden-Reload-Zyklus für 10 Stunden Volllast schaffen will, braucht entweder ein Vielfaches der Speicherkapazität — oder eine Hybrid-Konfiguration, die wirtschaftlich nicht konkurrenzfähig ist.

Strukturelle Benachteiligung im Kapazitätsmechanismus

Laut BNE-Berechnungen vom 05.05.2026 (Stellungnahme zum StromVKG-Referentenentwurf) weist Deutschland Batteriespeichern einen Derating-Faktor von 58 % zu. Der BNE setzt diesen Wert ins Verhältnis zu Belgien (77 %, BNE-Verweis auf das belgische CRM-Kapazitätsmarkt-Verfahren der CREG) und UK (über 92 %, BNE-Verweis auf die T-1/T-4-Capacity-Auctions der Ofgem). Das heißt nach BNE-Lesart: Ein 100-MW-Speicher zählt in Deutschland nur als 58 MW gesicherte Leistung — in UK fast als ganze 100 MW. Die zugrundeliegenden Ofgem- und CREG-Primärunterlagen werden im BNE-Papier nicht im Detail referenziert; die Vergleichswerte sind daher als Verbands-Berechnung einzuordnen.

Branchenkritik: BNE, BSW und 42 % der Bürger

Die Konsultationsphase läuft seit Ende April. Zwei zentrale Stellungnahmen liegen auf dem Tisch:

  • BNE (Bundesverband Neue Energiewirtschaft), 05.05.2026: Das 10-Stunden-Kriterium und der niedrige Derating-Faktor seien eine "strukturelle Benachteiligung von Batteriespeichern". Der Verband fordert eine Reform der Strommärkte, bevor ein zentraler Kapazitätsmechanismus eingeführt wird, und warnt vor EU-Beihilferechts-Risiken bei einseitiger Technologie-Bevorzugung.
  • BSW Solar, 16.04.2026: Speicher müssten in Kraftwerksauktionen "gleichberechtigt und nicht benachteiligt" zugelassen werden. Eine BSW-Umfrage (n=2.190, 03/2026) zeigt: 42 % der Bürger präferieren Batteriespeicher als Backup, nur 17 % Erdgaskraftwerke.

Auch der DGB hat am 05.05.2026 eine Stellungnahme eingereicht — die Detailpositionen sind aus dem PDF nicht vollständig extrahierbar.

Wieviel Backup-Leistung braucht Deutschland überhaupt?

Die BNetzA hat im Versorgungssicherheits-Bericht 09/2025 den Bedarf bis 2035 quantifiziert:

SzenarioZusätzlicher Bedarf 2035Kommentar
Zielszenario22,4 GWBei planmäßigem EE-Ausbau
Verzögerte Energiewende35,5 GWWorst Case BNetzA
MaStR-Speicher in Betrieb (>1 MW)2,2 GWStand 09/2025
MaStR-Speicher in Planung4,4 GWStand 09/2025

Das heißt: Der reine Großspeicher-Markt wächst auch ohne Kraftwerksstrategie auf 6,6 GW (Bestand + Planung). Die Kraftwerksstrategie addiert 12 GW mit explizitem Versorgungssicherheits-Mandat — bedient damit aber nur etwa die Hälfte des BNetzA-Bedarfs im Zielszenario. Die Lücke schließen Markt-Mechanismen ohne staatliche Kapazitätszahlung.

Parallele Förderpfade außerhalb der Kraftwerksstrategie

Das BMWE-FAQ zur Stromspeicherstrategie hält fest: "Natürlich brauchen wir auch mehr Großspeicher." Die Förderung läuft aber primär über EEG, § 118 EnWG (Netzentgelt-Befreiung), Innovationsausschreibungen und Regelleistungsmärkte — nicht über die Kraftwerksstrategie. Zusätzlich fördert das BMWE Forschungsprojekte wie Next-MeBa (LiFePO4-Großbatterien bis Ende 2027).

Was Investoren jetzt prüfen sollten

Die Konsultation läuft voraussichtlich bis Ende Mai 2026, Kabinettsbeschluss und Bundestagsberatung im 2./3. Quartal — eng getaktet, damit die erste Ausschreibung am 01.09.2026 stehen kann. Drei Punkte sind für Speicher-Cases bereits jetzt entscheidungsrelevant:

  1. Kapazitätsmarkt-Erlöse nicht in Standalone-BESS-Cases einplanen. Die 2-GW-Tranche 2026 ist technologieoffen, aber knapp und im Wettbewerb. Wer ein Projekt 2026/2027 finanziert, sollte die Erlösseite über Day-Ahead, Intraday, Regelleistung und IAB-Direktvermarktung rechnen — nicht über Kapazitätszahlungen.
  2. 2027er-Folgeausschreibungen beobachten. Ab 2027 wird der Kapazitätsmarkt vollständig technologieoffen und nimmt erstmals auch regelbare Lasten auf. Hier ist die Markt-Logik für BESS deutlich freundlicher — der wirksame Mechanismus startet allerdings erst ab 2032.
  3. Derating-Faktor als Risiko-Posten verbuchen. Solange Deutschland bei 58 % bleibt, ist jedes Speicher-Investment im Kapazitätsmechanismus rechnerisch um 30-40 % schlechter gestellt als das gleiche Asset in UK oder Belgien (Vergleichszahlen laut BNE-Berechnungen vom 05.05.2026, nicht direkt aus Ofgem-/CREG-Primärquellen belegt). Wer mit Mischportfolios international arbeitet, sollte das in der Allokation berücksichtigen — siehe auch die Regulierungs-Risiken im Detail.

Die Kraftwerksstrategie ist nicht das Ende der BESS-Story in Deutschland — aber sie verschiebt das politische Schwergewicht zurück Richtung Gas. Ob die Konsultation diese Schieflage noch korrigiert, entscheidet sich in den nächsten acht Wochen.

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