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Strompreis-Spreizung April 2026: 572 EUR/MWh an einem Tag
AktuellesNewsStand: Juni 2026

Strompreis-Spreizung April 2026: 572 EUR/MWh an einem Tag

Day-Ahead-Spreizung im April 2026 explodiert: 572 EUR/MWh am 26.04. — bei fallendem Monatsdurchschnitt von 78,5 EUR/MWh. Was das für Speicher-Arbitrage bedeutet.

Batteriespeicher-ReportRedaktion

Aktualisiert am

Veröffentlicht am 30. April 2026

Das Wichtigste in Kürze

  • Tagesspreizung am 26.04.2026 erreicht 572 EUR/MWh (Tagestief -414, Tageshoch 158 EUR/MWh)
  • Monatsdurchschnitt April 2026 fällt auf 78,5 EUR/MWh (-20,9 % gegenüber März)
  • 123 Negativstunden im April — 64 % über Vorjahresmonat, getrieben durch PV-Wochenenden

Der April 2026 hat die Logik der Speicher-Wirtschaftlichkeit neu definiert: Der durchschnittliche Day-Ahead-Preis fiel auf rund 78,5 EUR/MWh — ein Minus von 20,9 Prozent gegenüber März. Gleichzeitig öffnete sich am Sonntag, 26. April, ein Day-Ahead-Spread von etwa 572 EUR/MWh innerhalb von 24 Stunden. Genau diese Diskrepanz — fallender Durchschnitt, steigende Spreizung — ist die zentrale Kennzahl für Batteriespeicher-Arbitrage. Wer als Investor Erlöse modelliert, schaut nicht mehr auf das Niveau, sondern auf die Tagesdifferenz.

Offizieller Monatsbericht

Die vollständigen April-Zahlen mit allen EPEX-Kennzahlen haben wir im EPEX-Marktbericht April 2026 ausgewertet — er ist die Haupt-Zielseite zu den Strompreisen dieses Monats.

Der Rekordtag 26. April 2026

An einem einzigen Sonntag im April lieferte der Day-Ahead-Markt EPEX Spot das, was BESS-Betreiber als KPI definieren: Mittags um 13:00 Uhr fiel der Stundenpreis auf -414 EUR/MWh — den Tiefstwert des bisherigen Jahres. Am Abend stieg er auf 158 EUR/MWh. Die Spreizung von 572 EUR/MWh ist die höchste gemessene Tagesdifferenz 2026.

Was misst die Tagesspreizung?

Die Spreizung (Daily Spread) ist die Differenz zwischen Tagestief und Tageshoch am Day-Ahead-Markt. Sie definiert die theoretische Obergrenze des Bruttoarbitrage-Erlöses pro Lade-/Entladezyklus eines Batteriespeichers. Faustformel: Spreizung × nutzbare Energie × Round-Trip-Efficiency = Bruttoerlös je Zyklus.

Was ein 1-MW/2-MWh-Speicher daraus rechnet

Die Rechnung ist einfach und brutal in ihrer Klarheit. Ein 1-MW/2-MWh-Speicher mit 85 Prozent Round-Trip-Wirkungsgrad hätte am 26. April theoretisch geladen, als der Preis bei -414 EUR/MWh lag, und entladen am Abend zu 158 EUR/MWh:

  • Spreizung 572 EUR/MWh × 2 MWh × 0,85 = rund 973 EUR Bruttoerlös an einem einzigen Tag

Zum Vergleich: An einem typischen April-Werktag mit Spreizung von 150 EUR/MWh liegt der gleiche Erlös bei rund 255 EUR. Ein PV-getriebener Sonntag wie der 26. April übertrifft damit drei bis vier durchschnittliche Werktage. Diese Werte sind Bruttoerlös vor Steuern, Netzentgelten, Vermarktungsgebühren und Degradation.

Tagesübersicht: Welche Tage trugen den Monat

Zur Datenbasis

Die folgenden Werte sind eine redaktionelle Auswertung auf Basis öffentlicher Marktdaten (u.a. SMARD, EPEX, Energy-Charts). Einzelwerte — besonders tages- und stundengenaue Angaben — sind nicht amtlich bestätigt und können je nach Datenquelle und Abgrenzung abweichen.

Tag April 2026Tageshoch (EUR/MWh)Tagestief (EUR/MWh)Spreizung (EUR/MWh)Kontext
Sa 25.04.75-191266Wochenende, PV-Peak
So 26.04.158-414572Wochenende, PV-Rekord
Mo 27.04.1880188Werktag normal
Di 14.04.234100134Werktag normal
Fr 10.04.24571174Werktag, Tageshoch April

Die Datenmatrix zeigt das neue Muster: Wochenenden mit hoher PV-Einspeisung sind die zentralen Erlöskategorien. Werktage liefern moderate, aber stabile Spreads. Wer als Speicher-Betreiber den Sonntag verschläft, lässt drei Werktage Bruttoerlös liegen.

Strukturelle Treiber — und warum sie bleiben

Drei Zahlen erklären die April-Spreizung. Die Photovoltaik-Erzeugung lag bei 10,3 TWh und war damit erstmals 2026 die stärkste Erzeugungsquelle — vor Wind. Der Erneuerbaren-Anteil an der Nettoerzeugung überschritt 66 Prozent. Und der Solar-Profilfaktor sank auf 0,24 (April 2025: 0,404) — ein Wert unter 1 bedeutet: PV-Strom war zu Erzeugungszeiten signifikant günstiger als der Tagesdurchschnitt.

Die Folge: 123 Stunden mit negativen Spotpreisen im April (Vorjahr: 75 Stunden, +64 %), 492 Viertelstunden mit Negativpreis (+254 % gegenüber März). 47 Prozent der PV-Erzeugung floss in Stunden mit negativen Preisen. Lange helle Tage, niedrige Heizlast und Wochenenden mit reduzierter Industrielast verstärken den V-förmigen Tagespreis-Verlauf.

EPEX senkt Preisuntergrenze ab 29.05.2026

EPEX Spot hat angekündigt, den minimalen Clearingpreis im Day-Ahead Coupling von -500 auf -600 EUR/MWh abzusenken. Direkte Folge: Die maximal mögliche Tagesspreizung wächst strukturell um 100 EUR/MWh nach unten. BESS-Betreiber profitieren in Extremtagen wie dem 26.04. — wenn der Floor heute bei -600 gelegen hätte, wäre die Spreizung theoretisch auf 758 EUR/MWh gewachsen.

Quartalsvergleich: Durchschnitt sinkt, Spreizung steigt

IndikatorFebruar 2026März 2026April 2026
Day-Ahead Monatsmittel (EUR/MWh)ca. 11099,378,5
Stunden mit Negativpreisgeringgering123
Viertelstunden Negativpreisn/a139492
Speicher-Erlöspotenzial 1 MW p.a. (modelliert)ca. 95.000 EURca. 200.000 EURvolatil tages-getrieben

Der Trend ist eindeutig: Während das Preisniveau über drei Monate um rund 30 Prozent gefallen ist, hat sich die Negativstunden-Frequenz vervielfacht. Speicher-Erlösmodelle, die auf Durchschnittspreis-Annahmen basieren, unterschätzen das tatsächliche Arbitrage-Potenzial systematisch.

Was bedeutet das für Investoren

Drei Konsequenzen für Speicher-Investoren:

  1. Spread-Annahmen schlagen Durchschnittspreis-Annahmen. Wer Geschäftsmodelle auf Basis des Monatsmittels modelliert, unterschätzt das April-Profil. Banken-Finanzierungen für Großspeicher (BBDF-Modell) rechnen längst mit Spread-Werten, nicht mit Niveau-Werten.
  2. Wochenenden mit PV-Peak sind die zentrale Erlös-Kategorie. Vermarktungs-Algorithmen müssen Sonntage wie den 26. April als Hauptrisiko- und Hauptertrags-Tag erkennen.
  3. Strukturtreiber bleiben. PV-Boom, Wochenend-Lastloch und sinkender Solar-Profilfaktor wirken weiter. Die geplante EPEX-Floor-Senkung auf -600 EUR/MWh vergrößert das Spread-Fenster ab Ende Mai zusätzlich.

April 2026 ist der empirische Beleg, dass Spread-Werte selbst bei fallendem Niveau zunehmen — und dass negative Preise als Lade-Gelegenheit nicht mehr Ausnahme, sondern Wochenend-Regel sind. Wer in BESS-Projekte investieren will, sollte Anbieter daran messen, ob deren Erlösmodelle diese Logik abbilden. Unser Anbieterprüfung systematisiert Angebote nach Vermarktungstiefe und Spread-Annahmen.

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