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Szenariorahmen 2027: Netzbetreiber rechnen mit bis zu 103 GW Großspeichern — und warnen selbst vor Marktsättigung

Die Übertragungsnetzbetreiber planen mit 84 bis 103 GW Großspeichern und warnen selbst vor Marktsättigung. Die aFRR-Preise zeigen: Der Druck ist schon da.

Batteriespeicher-ReportRedaktion

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Luftaufnahme eines großen Batteriespeicherparks: Dutzende weiße Container in langen, parallelen Reihen auf Schotter, rechts ein eingezäuntes Umspannwerk mit Hochspannungsmast, dahinter Felder im Dunst bei tiefstehender Sonne. KI-Illustration.
Quellen(5)

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Bundesnetzagentur konsultiert seit dem 31. August 2026 den Entwurf des Szenariorahmens für den Netzentwicklungsplan 2040/2045. Die Übertragungsnetzbetreiber setzen darin 84,1 GW (Pfad A) bis 102,9 GW (Pfade B und C) Großbatteriespeicher an. Der geltende Rahmen von 2025 sah 41,1 bis 94,1 GW vor.
  • Im selben Dokument schreiben die Netzbetreiber, dass schon mittelfristig erhebliche Unsicherheit über die Wirtschaftlichkeit besteht – wegen erwarteter Marktsättigung und zunehmender Kannibalisierung.
  • Am Regelleistungsmarkt ist der Druck messbar: Der mittlere Leistungspreis für positive aFRR fiel von 14,40 €/MW/h im August 2025 auf 7,37 €/MW/h im August 2026, bei rund 16 Prozent mehr angebotener Leistung.
  • Laut Modo Energy sank der theoretische Erlös eines 2-Stunden-Speichers im August 2026 auf 191.000 Euro je MW im Jahr, 15 Prozent unter dem Vorjahresmonat – obwohl die Day-Ahead-Spreads um 35 Prozent zulegten.

Am 31. August 2026 hat die Bundesnetzagentur die Konsultation zum Szenariorahmen für den Netzentwicklungsplan Strom 2040/2045 eröffnet. Der Szenariorahmen ist die Rechengrundlage, auf der die vier Übertragungsnetzbetreiber das Stromnetz der kommenden Jahrzehnte planen. Im neuen Entwurf setzen sie für Großbatteriespeicher 84 bis knapp 103 Gigawatt an – mehr als im geltenden Rahmen von 2025, über den wir im April berichtet haben.

Bemerkenswerter als die Zahl ist ein Absatz im selben Dokument: Die Netzbetreiber beschreiben die heutigen Erlöse von Großspeichern als attraktiv – und warnen, dass schon mittelfristig Marktsättigung und Kannibalisierung drohen. Die Auktionsdaten der Regelleistung zeigen, dass dieser Effekt nicht erst in der Zukunft liegt.

Was die Netzbetreiber annehmen

SzenarioLeistungSpeicherkapazität
Referenzjahr 20252,7 GW4,1 GWh
Pfad A (2040 und 2045)84,1 GW168,2 GWh
Pfade B und C (2040)102,4 GW204,8 GWh
Pfade B und C (2045)102,9 GW205,8 GWh
Zum Vergleich: genehmigter Szenariorahmen 2025, Pfade A, B, C (2037 und 2045)41,1 / 67,6 / 94,1 GW

Großbatteriespeicher. Heim- und Gewerbespeicher führen die Netzbetreiber getrennt als Kleinbatteriespeicher.

Szenariorahmenentwurf zum NEP Strom 2040/2045 (Version 2027); Genehmigung des Szenariorahmens 2025–2037/2045 (April 2025)

Berücksichtigt sind in allen Pfaden Projekte ab dem Status „fortgeschrittene Planung“, einschließlich erteilter Netzanschlusszusagen. In den Pfaden B und C kommen Projekte im Status „Planung“ mit einem Faktor von 15 Prozent hinzu. Das sind nach Angabe der Netzbetreiber knapp 20 GW zusätzliche Anschlussleistung, mit denen sie mögliche Zuschläge im Reifegradverfahren abbilden. Die Speicherkapazitäten leiten sie ausdrücklich nicht allein aus den Anschlussanfragen ab, sondern so, dass sie in die Strommarktmodellierung passen.

Ein Szenariorahmen ist keine Prognose, wie viele Speicher tatsächlich gebaut werden, sondern eine Planungsannahme für den Netzausbau. Er zeigt aber, mit welcher Größenordnung die Netzbetreiber selbst rechnen.

Die Warnung im eigenen Dokument

Im Abschnitt zu Großbatteriespeichern beschreiben die Netzbetreiber zunächst die Gegenwart: Für Betreiber gebe es derzeit attraktive Erlösmöglichkeiten in verschiedenen Märkten, teils mit sehr kurzen Amortisationszeiten. Dazu trage auch die heutige Netzentgeltbefreiung bei. Schon mittelfristig bestehe aber erhebliche Unsicherheit über Marktentwicklung und Wirtschaftlichkeit, und zwar infolge „erwarteter Marktsättigungen und zunehmender Kannibalisierungseffekte“, wenn viele Großspeicher zur selben Zeit in den Markt eintreten (S. 42).

An anderer Stelle werden sie deutlicher: Mit dem weiteren Ausbau sei davon auszugehen, dass Kannibalisierungseffekte in den verschiedenen Marktsegmenten die erzielbaren Erlöse senken und den weiteren Zubau ab einem gewissen Punkt wirtschaftlich unattraktiver machen (S. 109).

Warum der Szenariorahmen auch für Anschlüsse zählen kann

Nach dem Netzanschlusspaket der Bundesregierung dürfen die Übertragungsnetzbetreiber Anschlussanfragen künftig unter anderem nach den Annahmen des genehmigten Szenariorahmens priorisieren. Die Planungszahlen könnten damit mitbestimmen, welche Speicherprojekte zuerst angeschlossen werden. Der Gesetzentwurf ist noch nicht beschlossen.

Am Regelleistungsmarkt ist die Sättigung schon messbar

Die Sekundärregelleistung (aFRR) war für viele Großspeicher bislang die wichtigste Erlösquelle: Der Speicher hält Leistung bereit und wird dafür bezahlt, auch wenn sie nicht abgerufen wird. Die Ausschreibungsergebnisse auf regelleistung.net zeigen, wie sich dieser Markt verändert hat:

MonatLeistungspreis aFRR positiv (Mittel)angebotene Leistung je Produktbezuschlagte Leistung je Produkt
August 202514,40 €/MW/h4.189 MW1.942 MW
Juli 202610,68 €/MW/h4.736 MW1.961 MW
August 20267,37 €/MW/h4.848 MW1.978 MW

Mittelwert der mittleren Zuschlagspreise aller 186 positiven Vier-Stunden-Produkte des Monats (sechs je Tag). Eigene Auswertung, abgerufen am 16.09.2026.

regelleistung.net, Ausschreibungsergebnisse aFRR

Im Vergleich zum Vorjahresmonat ist der mittlere Leistungspreis damit fast auf die Hälfte gefallen. Angeboten wurde im August 2026 rund 16 Prozent mehr Leistung als ein Jahr zuvor, bezuschlagt wurde nahezu dieselbe Menge. Mehr Anbieter konkurrieren also um einen Bedarf, der kaum wächst. Welcher Anteil des zusätzlichen Angebots von Batteriespeichern stammt, weisen die Daten nicht aus.

Das Analysehaus Modo Energy kommt zum gleichen Bild. Sein Benchmark für einen theoretischen 2-Stunden-Speicher ohne Netzbeschränkungen sank im August 2026 auf 191.000 Euro je MW im Jahr, 7 Prozent unter Juli und 15 Prozent unter August 2025. Der Anteil der aFRR-Leistung an diesen Erlösen fiel laut Modo von 88 Prozent auf etwa die Hälfte, der Handel am Day-Ahead- und Intraday-Markt lieferte 31 statt 7 Prozent. Die Day-Ahead-Spreads lagen dabei 35 Prozent über dem Vorjahr. Den Rückgang gegenüber dem Vorjahr führt Modo auf die gewachsene Konkurrenz durch Batterien in der aFRR zurück und spricht von ersten klaren Anzeichen einer Sättigung. Der Benchmark misst, was ein Speicher hätte verdienen können – nicht, was reale Anlagen verdient haben.

Was das für Anleger heißt

Ob sich ein Speicherinvestment lohnt, lässt sich daraus nicht ablesen. Wohl aber, worauf eine Erlösprognose Antworten geben sollte:

  1. Mit welchen Preisen für Regelleistung rechnet die Prognose? Annahmen auf dem Niveau von 2025 liegen deutlich über dem, was die Auktionen im August 2026 ergeben haben.
  2. Wie verteilen sich die Erlöse? Je größer der Anteil der Regelleistung, desto stärker trifft ein weiterer Preisrückgang. Mehr Handel am Strommarkt macht das Ergebnis stärker von der Qualität der Vermarktung abhängig.
  3. Rechnet die Prognose mit sinkenden Erlösen? Die Netzbetreiber halten Kannibalisierung für wahrscheinlich. Eine Prognose, die heutige Erlöse über die gesamte Laufzeit fortschreibt, sollte das begründen.
  4. Hängt die Rechnung an der Netzentgeltbefreiung? Die Netzbetreiber nennen sie als einen Grund für die heutige Attraktivität. Für neue Projekte hängt sie an den Fristen aus dem AgNes-Festlegungsentwurf.

Wie sich Renditeaussagen in Angeboten einordnen lassen, zeigt unser Prüfschema für Renditeversprechen. Stellungnahmen zum Szenariorahmen nimmt die Bundesnetzagentur bis zum 28. September 2026 entgegen.

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