Der deutsche Speichermarkt hat eine neue Größenordnung erreicht: BW ESS hat am 1. Juli 2026 in Klostermansfeld (Landkreis Mansfeld-Südharz, Sachsen-Anhalt) offiziell den Bau eines Batteriespeichers mit 1.000 Megawatt Leistung und bis zu 5.700 Megawattstunden Kapazität begonnen. Nach Unternehmensangaben entsteht damit „eines der größten Batteriespeicher-Projekte Europas" — und nach unserem Recherche-Stand (02.07.2026) das erste Projekt der Gigawatt-Klasse, das in Deutschland tatsächlich in Bau gegangen ist. Zum Spatenstich kamen neben BW-ESS-Executive-Director Roberto Jiménez auch Sachsen-Anhalts Energieminister und stellvertretender Ministerpräsident Prof. Dr. Armin Willingmann sowie Klostermansfelds Bürgermeister Frank Ochsner.
Die Dimension: 5,7 Stunden Volllast statt kurzer Spitzen
Bemerkenswerter als die schiere Leistung ist das Verhältnis von Kapazität zu Leistung: 5.700 MWh bei 1.000 MW ergeben rechnerisch 5,7 Stunden Volllast-Entladung. Zum Vergleich: Die meisten deutschen Großspeicher der letzten Jahre wurden mit 1 bis 2 Stunden Speicherdauer gebaut, ausgelegt auf kurze Arbitrage-Fenster und Regelleistung.
Laut BW ESS kann die Anlage rund 3 Millionen deutsche Haushalte mindestens 4 Stunden mit Strom versorgen. Ein Speicher dieser Bauart zielt auf die längeren Verlagerungsfenster — etwa das komplette Verschieben des solaren Mittagstals in die Abend- und Nachtstunden. Dass ein kommerzieller Betreiber diese Auslegung wählt, ist ein Signal an den Markt: Die Erlösmodelle tragen inzwischen auch lange Entladezyklen, nicht nur das schnelle Spiel mit der Tagesspreizung.
Wer ist BW ESS?
BW ESS ist der Batteriespeicher-Arm der BW Group, eines globalen Schifffahrts- und Energieinfrastruktur-Konzerns. Das Unternehmen betreibt nach eigenen Angaben weltweit über 540 MWh und hat rund 11 GWh im Bau; aktive Märkte sind neben Deutschland Großbritannien, Australien, Italien, Spanien und Schweden. In Deutschland arbeitet BW ESS seit 2025 mit dem Entwickler Zelos Energy Developments an einer Pipeline von 1,5 GW — das Projekt Klostermansfeld stammt aus dieser Zusammenarbeit; Anfang 2026 übernahm BW ESS die vollständige Kontrolle. „Der Batteriespeicher Klostermansfeld wird unser erstes deutsches Asset sein, das in den Bau geht", so Jiménez.
| Eckdatum | Wert |
|---|---|
| Leistung | 1.000 MW |
| Kapazität | bis zu 5.700 MWh (≈ 5,7 h Volllast) |
| Standort | Klostermansfeld, Sachsen-Anhalt |
| Netzanschluss | Höchstspannungs-Umspannwerk Klostermansfeld |
| Spatenstich | 01.07.2026 |
| Geplante Inbetriebnahme | 2028 |
| Eigentümer | BW ESS (BW Group), entwickelt mit Zelos Energy Developments |
Einordnung: Das Rennen um die Gigawatt-Klasse
Klostermansfeld setzt sich an die Spitze eines Feldes, das sich seit Monaten formiert: Die LEAG plant in Jänschwalde und Boxberg Speicher mit zusammen 5.600 MWh — dort steht der Baustart des 1.000-MW-Blocks aber noch aus. Im nahen Förderstedt errichtet Eco Stor derzeit 716 MWh. Sachsen-Anhalt entwickelt sich damit zum dichtesten Großspeicher-Cluster des Landes: günstiges Bauland, starke Höchstspannungsknoten und viel Wind- und Solarstrom in der Umgebung.
Auffällig an der Projektkommunikation: Weder EPC-Partner noch Batterielieferant noch Investitionssumme wurden genannt — auch die Erlösstrategie lässt BW ESS offen. Was feststeht: Das Unternehmen hat sein bisheriges Portfolio nach Angaben der Fachpresse ohne externe Projektfinanzierung errichtet.
Was das für private Speicher-Investoren bedeutet
Der Einstieg internationaler Infrastruktur-Konzerne in deutsche Gigawatt-Projekte bestätigt die Asset-Klasse — und verschärft zugleich den Wettbewerb um Erlöse. Ein 5.700-MWh-Speicher am selben Regelenergie- und Spotmarkt verändert die Preisbildung, auf die auch kleinere IAB-Projekte kalkulieren. Die Q1-Analyse zum Erlösdruck zeigt die Mechanik; wie robust ein Angebot gegen sinkende Spreads gerechnet ist, prüft der Rendite-Rechner.
