Zum ersten Mal liegt eine belastbare Modellrechnung vor, die beziffert, was der deutschen Volkswirtschaft dadurch entgeht, dass zu wenige Großbatteriespeicher am Netz sind. Das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE) hat im Auftrag von BEE, BSW-Solar und BWE die Analyse „Die nächste Phase der Energiewende: Flexibilität" erstellt und am 1. Juli 2026 veröffentlicht. Der Kernbefund: Hätten im Zeitraum Januar 2025 bis Ende Mai 2026 zusätzlich 20 Gigawatt Speicherleistung mit vier Stunden Kapazität (also 80 GWh) zur Verfügung gestanden, wäre das Stromsystem um 5,6 Milliarden Euro entlastet worden — hochgerechnet rund 3,9 Milliarden Euro pro Jahr.
BEE-Präsidentin Ursula Heinen-Esser fasste es so zusammen: „Speicher sind ein Sparprogramm für Stromkunden und Bundeshaushalt."
Woher die Einsparung kommt
Die Entlastung entsteht an zwei Stellen, die Investoren aus der Erlösmechanik von Speichern bereits kennen. Erstens glätten Speicher die Preisspitzen: Sie laden, wenn Strom im Überfluss und billig ist, und entladen in den teuren Stunden. Das kappt sowohl die Extremausschläge nach oben als auch die negativen Preise nach unten. Laut Studie wären die negativen Börsenpreise um fast 70 Prozent zurückgegangen.
Zweitens sinkt die marktliche Abregelung — also das Abschalten von Wind- und Solaranlagen, deren Strom niemand abnehmen kann. Sie wäre um 3,3 Terawattstunden oder rund 55 Prozent gefallen. Genau dieser Effekt ist der wirtschaftliche Kern jedes Co-Location-Modells: Strom, der sonst abgeregelt würde, wandert in die Batterie statt ins Nichts.
| Kennzahl | Effekt mit 20 GW / 80 GWh Speicher |
|---|---|
| Volkswirtschaftliche Einsparung gesamt (Jan 2025 – Mai 2026) | 5,6 Mrd. € |
| Einsparung hochgerechnet pro Jahr | rund 3,9 Mrd. € |
| Rückgang negativer Börsenpreise | fast 70 % |
| Rückgang marktliche Abregelung | 3,3 TWh (rund 55 %) |
| Künftiger Zubaubedarf pro Jahr | rund 8 GW / 32 GWh |
Warum das den Erlöspfad stützt — und relativiert
Für die Investmentthese ist die Studie ein zweischneidiges, aber insgesamt tragfähiges Signal. Auf der einen Seite belegt sie, dass der Bedarf an Speicherleistung noch weit über dem heutigen Bestand liegt: rund 8 GW jährlicher Zubau wären volkswirtschaftlich optimal, tatsächlich zugebaut wird bislang weniger. Es gibt also keinen strukturellen Nachfragemangel, der die Erlöse der nächsten Jahre grundsätzlich gefährdet.
Auf der anderen Seite arbeitet jeder neue Speicher genau an dem Effekt, von dem er lebt: Er verkleinert die Preisspreizung, die seine Arbitrage-Erlöse speist. Die Studie quantifiziert diesen Dämpfungseffekt sogar — fast 70 Prozent weniger negative Preise bei 20 GW zusätzlichem Speicher. Für die Angebotsprüfung heißt das unverändert: Ein seriöses Modell rechnet mit fallenden Spreads im Zeitverlauf, nicht mit dem Fortschreiben der heutigen Rekordwerte. Wie sich eine solche Annahme auf die Rendite auswirkt, lässt sich im Rendite-Rechner durchspielen.
